Warum ist Gott zornig auf Bileam? (4. Mose 22,20)

Gott beauftragt Bileam, dass er mit den Männern mitgehen soll, die zu ihm gekommen sind.

Zwei Verse später ist Gott zornig auf Bileam, weil er mitgegangen ist.

Wieder ein paar Verse weiter bekommt Bileam erneut dem Befehl "Geh mit den Männern" (V. 35).


4. Mose 22,20
Da kam Gott des Nachts zu Bileam und sprach zu ihm: Wenn die Männer gekommen sind, um dich zu rufen, so mache dich auf, gehe mit ihnen; aber nur dasjenige, was ich dir sagen werde, sollst du tun.
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4. Mose 22,22
Da entbrannte der Zorn Gottes, dass er hinzog; und der Engel des HERRN stellte sich in den Weg, ihm zu widerstehen. Er aber ritt auf seiner Eselin, und seine beiden Jünglinge waren mit ihm.
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« Wo starb Aaron? Am Berg Hor oder in Mosera?Starben 23.000 oder 24.000 an der Plage? »


Lösungsvorschläge

Von: Laura
◷ 1 Februar
(vor 5 Monaten)

Wenn man nur diese beiden Verse sieht, dann könnte man tatsächlich einen Widerspruch sehen. Doch wenn man den ganzen Anfang des Kapitels beachtet, wird deutlich, wie die Begebenheit zu verstehen ist.

In den Versen 1-14 lesen wir, dass Balak, der Moabiter, seine Vertreter zu Bileam schickt, damit sie ihn bitten, dass er das Volk Israel verfluche. Bileam antwortet darauf, dass er darüber zuerst Gott befragen müsse. In dieser ersten Nacht sagt Gott ihm ganz klar, was er zu tun hat: Er soll das Volk auf keinen Fall verfluchen.

Balak ist damit aber nicht zufrieden und schickt nochmals Boten zu Bileam mit der gleichen Anfrage (V. 15-21). Bileam fragt daraufhin nochmals Gott. Die Frage ist, warum tut er das? Er wusste doch genau, wie Gott darüber dachte. Sollte Gott heute etwas sagen, und morgen genau das Gegenteil? Bileam hätte den Boten direkt sagen können und sollen, dass er nicht mit ihnen ginge, weil Gott es ihm bereits verboten hatte. Trotzdem fragt er Gott nochmals.

Der Grund, warum Gott in dieser zweiten Nacht anders antwortet, ist ziemlich ernst. Bileam hat, obwohl er klar die Antwort wusste, Gott erneut gefragt. Er hat sich bewusst Gott widersetzt. Gott lässt ihn daraufhin seinen eigenen Willen tun. Das ist ein Prinzip im Handeln Gottes: Wenn sich jemand bewusst seinem Willen widersetzt, dann kann es sein, dass Gott ihn einfach lässt. Gott zwingt keinen, seinen Willen zu tun. Er sucht freiwilligen Gehorsam. Wenn wir ihm aber nicht gehorchen, dann lässt Gott uns unsere eigenen Wege gehen - mit der Folge, dass wir dann auch die negativen Konsequenzen tragen müssen.

Gottes Geduld zeigt sich darin, dass er immer noch versucht, Bileam durch den Engel aufzuhalten (V. 22-35). Doch auch hierauf reagiert Bileam nicht. Dreimal versucht Gott, ihn durch den Engel aufzuhalten. Doch im blinden Eigenwillen sieht er ihn nicht und will weiterziehen. Was hat ihn dazu bewogen? Versprach er sich sein Glück von den von Balak versprochenen Reichtümern? Es ist eigentlich kaum zu verstehen, aber als er beim dritten Mal den Engel sehen kann, fragt er immer noch, ob er weitergehen soll oder nicht. Gott lässt ihn dann laufen. Der Engel hatte klar gesagt, dass der Weg ihn ins Verderben stürzen würde, doch Bileam konnte dies immer noch nicht glauben und akzeptieren.

Bileam ist ein trauriges Beispiel. Gott beschönigt nichts in der Bibel. Wir sollten daraus lernen, dass wir in allen Umständen nicht nur nach Gottes Willen fragen, sondern diesen auch akzeptieren und ausführen. Dadurch können wir uns sehr viel Schmerz ersparen und Gottes Segen genießen.

Von: Markus M.
◷ 2 Februar
(vor 5 Monaten)

Sollte Gott heute etwas sagen, und morgen genau das Gegenteil?
Ja, es gibt genügend Beispiele in der Bibel, wo Gott seine Meinung ändert. Hier ein Beispiel: Gott erlaubt den Menschen alle Tiere zu essen (1. Mose 9,3). Später ändert er seine Meinung und man darf nur mehr spezielle Tiere essen (3. Mose 11,2). Und im NT ändert Gott wieder seine Meinung und man darf wieder alles essen (Apg. 10).

Bileam hat, obwohl er klar die Antwort wusste, Gott erneut gefragt.
Wo bitte steht, dass man Gott nicht mehrmals fragen darf? Immerhin könnte sich in der Zwischenzeit die Umstände gendert haben. In Richter 20 befragen die Kinder Israels 3x den Herrn zum selben Thema. Was ist das für ein Vater, der sein Kind gleich bestraft, nur weil er (aus was für Gründen auch immer) mehrfach nach seinem Willen fragt?

Gottes Geduld zeigt sich darin, dass er immer noch versucht, Bileam durch den Engel aufzuhalten
Wie bitte? Gott schickt einen unsichtbaren Engel, den Bileam nicht sehen kann (vgl. V.31). Inwiefern zeigt sich da Gottes Geduld?
Anstatt einen unsichtbaren Engel zu schicken oder ein Tier sprechen zu lassen, hätte Gott ganz einfach direkt (auch beim zweiten Mal) zu Bileam sagen können, dass er NICHT gehen soll. Allerdings macht Gott das nicht, sondern sagt, dass er gehen soll. Na wie bitte soll Bileam sonst darauf reagieren, wenn Gott sagt, dass er gehen soll? Würde er nicht gehen, würdest du das wieder als Ungehorsam werten.  
Versprach er sich sein Glück von den von Balak versprochenen Reichtümern?
Nein, wie du in V. 18 lesen kannst: „Wenn Balak mir sein Haus voller Silber und Gold gäbe, könnte ich nicht den Befehl des HERRN, meines Gottes, übertreten, um ⟨etwas⟩ Kleines oder Großes zu tun.“

An dem, was Bileam hier macht ist nichts Verwerfliches. Er steht vor einer Entscheidung und fragt Gott was er tun soll und er macht dann auch das, was Gott ihm sagt. Besser kann man sich eigentlich nicht verhalten.

Von: Joni
◷ 6 Februar
(vor 2 Jahren)

Gott hatte ihm schon ,,nein" gesagt. Als die Fürsten ihn wieder bitten zu kommen, sagt er zwar wieder ,,nein" aber fügt hinzu, dass sie noch warten sollen, ob Gott vielleicht doch noch was (anderes) sagt. 

Heißt vielleicht, er hat Gott nicht ganz geglaubt und vielleicht auch gehofft, dass Gott "zu seinen Gunsten" was ändert, sodass er doch gehen und viel Geld verdienen kann.

Von: Daniel Nixdorf
◷ 21 September
(vor 3 Jahren)

Siehe folgende Erklärungsmöglichkeiten:

1.) er wartet nicht explizit auf den erneuten Ruf der Fürsten, wie es ihm im Vers gesagt wird, sondern geht eigenmächtig von alleine mit  

2.) es wird ihm zwar (widerwillig) gestattet, aber eigentlich ist aus der Situation klar, dass es ein Fehler ist und er es nach wie vor nicht tun sollte

3.) die Erlaubnis war kein Freifahrtsschein, sondern bedingt (wie im Vers zu ihm gesagt wird: „aber nur dasjenige, was ich dir sagen werde, sollst du tun“), d.h. er darf zwar gehen, tut das aber mit schlechten Motiven:

Quelle:

“1. Because he went of his own accord with the princes of Moab, and did not wait till “they came to call him”, i.e. urged him to go, which was the sign and condition of God’s permission, Numbers 22:20, but rather himself rose and called them, as it may seem from Numbers 22:21. Or,

2. Because those words, Numbers 22:20, did contain no approbation nor license, but a bare permission, and that in anger, as Balaam might easily have understood, if he had considered his own heart, or the circumstances of his concession. This was no more an approbation than that passage of Christ to Judas, John 13:27, “That thou doest, do quickly”. Or,

3. Because he went with ill design, and desire to do contrary to what God had charged him, to wit, to curse the people, as plainly appears from the following story, and from Deu 23:5; for God hath been oft and justly angry with those who have done what God bade them, when they did it in evil manner, or for evil ends, as appears from Isaiah 10:6,7, and many other places.”

https://biblehub.com/commentaries/numbers/22-22.htm