Wann war Paulus in Jerusalem und wen traf er? (Galater 1,18-19)

Im Galaterbrief findet man ab Vers 17 eine Webbeschreibung von Pauls, wohin er wann nach seiner Bekehrung ging. Dort heißt es, dass er nach seiner Bekehrung nicht nach Jerusalem ging, sondern sogleich nach Arabien ging und dann nach Damaskus zurückkehrte.

Nach 3 Jahren besuchte er zum ersten Mal Jerusalem und blieb dort 15 Tage und traf nur Kephas (Simon Petrus) und Jakobus. Dass er keinen anderen Apostel traf wird explizit in V. 19 erwähnt. Danach zieht er in die Gegend von Syrien und Zilizien. Nach 14 Jahren zog er wieder nach Jerusalem (zusammen mit Barnabas und Titus) und begegnet dort den Aposteln (Kap. 2,9). Vermutlich fand zu diesem Zeitpunkt das Apostelkonzil aus Apg. 15 statt. Danach besucht Kephas ihn in Antiochia.

Seine Reiserute sah demnach so aus:

Damaskus > Arabien > Damaskus > Jerusalem > Syrien und Zilizien > Jerusalem (Apostelkonzil) > Antiochia

In der Apostelgeschichte Kapitel 9 liest man eine etwas andere Darstellung:

Paulus bleibt nach seiner Bekehrung erstmal in Damaskus (V. 19). Er predigt das Evangelium viele Tage und die Juden versuchen ihn umzubringen. Daraufhin muss er flüchten (V. 25). Im nächsten Vers liest man, dass er nach Jerusalem ging. Aufgrund des Leseflusses und Textzusammenhangs würde man doch meinen, dass er nach seiner Flucht aus Damaskus nach Jerusalem ging. Dort ist er noch relativ unbekannt, demnach muss sich die Begeben innerhalb der ersten Monate oder max. Jahre abgespielt haben. In Jerusalem bringt ihn Barnabas zu den Aposteln (V. 27) und er erzählt ihnen, wie er sich bekehrt hat und das er in Damaskus das Evangelium verbreitet hat. Der Vers 28 legt nahe, das er länger Zeit in Jerusalem blieb. Danach zog er nach Cäsarea und weiter nach Tarsus. Die Apostelgeschichte richtet den Blick dann in Kap. 10 auf Petrus und Paulus taucht erst wieder in Apg. 11,25 auf. Er befindet er sich in Tarsus und wird von Barnabas nach Antiochia geholt. Wegen einer Hungersnot wird dann eine Geldspende von Antiochia nach Jerusalem geschickt. Diese wird von Barnabas und Pauls den Ältesten in Jerusalem überreicht (V. 30; 12,25). Zurück in Antiochia beginnt Paulus dann seine erste Missionsreise. Danach zieht er in Kap. 15 zum Apostelkonzil nach Jerusalem und von dort wieder zurück nach Antiochia.

Seine Reiserute sah demnach so aus:

Damaskus > Jerusalem > Cäsarea / Tarsus > Antiochia > Jerusalem > Antiochia > 1. Missionsreise > Antiochia > Jerusalem (Apostelkonzil) > Antiochia

Abgesehen von den unterschiedlichen Ortsangaben und den zeitlichen Problem ist das Hauptproblem hier folgendes: Laut Galaterbrief traf Paulus, als er Jerusalem zum ersten Mal besucht (für 15 Tage), nur Petrus und Jakobus. In der Apostelgeschichte hingegen trifft er aber Barnabas und die Apostel und bleibt auch längere Zeit dort. Beides kann nicht stimmen und der Versuch einen unerwähnten Jerusalembesuch zu erfinden wird dem Text nicht gerecht.


Galater 1,18-19
Darauf, nach drei Jahren, ging ich nach Jerusalem hinauf, um Kephas kennen zu lernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm. Ich sah aber keinen anderen der Apostel, außer Jakobus, den Bruder des Herrn.
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Apostelgeschichte 9,26-27
Als er aber nach Jerusalem gekommen war, versuchte er, sich den Jüngern anzuschließen; und alle fürchteten sich vor ihm, da sie nicht glaubten, dass er ein Jünger sei. Barnabas aber nahm ihn und brachte ihn zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie er auf dem Wege den Herrn gesehen habe, und dass derselbe zu ihm geredet, und wie er in Damaskus freimütig im Namen Jesu gesprochen habe.
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« Stephanus und das fiktive Grab Abrahams in Sichem


Lösungsvorschläge

Von: Johannes
◷ 13 Dezember
(vor 2 Monaten)

Erst einmal muss ich sagen, dass sie hier eine wunderbare Website erstellt haben. Da muss eine Menge Arbeit reingeflossen sein.

Sehe allerdings keinen klaren Wiederspruch.

Aus dem Galaterbrief lese ich (Kein Theologe, nur ein einfacher Gläubiger) keine Wegbeschreibung, diese wäre ja auch sehr dürftig. Wenn sie den Vers vorher mit einbeziehen sollte ersichtlich sein, dass Paulus hier ausdrücken möchte, nicht gleich nach seiner Offenbarung Kontakt zu den anderen Aposteln gesucht zu haben, sondern erst nach 3 Jahren ein Treffen mit Petrus hatte. 

Und auch wenn sie meinen, dass es dem Text nicht gerecht würde zwischen dem Zeugnis des Paulus in Damaskus und Jerusalem einen zeitlichen Abstand zu vermuten, sehe ich da kein Problem. Denn im Galaterbrief beschreibt er seine besondere Position unter den Aposteln und in der Apostelgeschichte wird uns überliefert wie er zum Apostel wurde. Zwischen den Zeugnissen könnte unter diesem Aspekt eine längere Zeitepisode liegen. Auch aus der Rede vor dem Volk von Paulus (APG 22) geht hervor, dass er nach seinem Zeugnis in Damaskus nach Jerusalem zurückkehrt im Tempel betet und er eine Offenbarung bekommt sein Zeugnis noch nicht in Jerusalem abzulegen, sondern unter die Nationen zu gehen, somit hatte er bei diesem Aufenthalt noch keinen Kontakt zu den anderen Aposteln. Es mag sein dass ich etwas übersehe, allerdings passt so der Galaterbrief und die Apostelgeschichte logisch zusammen.

Von: Markus M.
◷ 14 Dezember
(vor 2 Monaten)

Keine Ahnung, warum Sie den Widerspruch hier nicht sehen. Im Galaterbrief schreibt Paulus, dass er nach seiner Bekehrung NICHT nach Jerusalem gegangen ist, sondern sofort nach Arabien zog (das ist sehr wohl eine Wegbeschreibung). Und dies schließt nun mal aus, dass Paulus (auch nur kurz) in Jerusalem war.

Apostelgeschichte 9,26ff muss sich auch kurz nach seiner Bekehrung abgespielt haben, da die Jünger ja noch Angst vor Paulus hatten und sich vor ihm fürchteten. Und auch den Aposteln musste erst erzählt werden, was geschehen ist. Wenn da bereits 3 Jahre vergangen sind, müsste es sich ja schon längst herumgesprochen haben, was mit Paulus passiert ist, besonders, wenn er bereits in den Synagogen (Plural) Jesus als Sohn Gottes verkündet. 

Von: Johannes
◷ 15 Dezember
(vor 2 Monaten)

Ich sehe hier kein Wiederspruch, da im ersten Kapitel Paulus seine Unabhängigkeit von den Aposteln herausstellen möchte. Dies ist kein Reisebericht, sondern eine Unabhängigkeitserklärung wenn man so will. Haben sie sich den Ursprungstext angeschaut?

Dort steht geschrieben 1:15-17: Hote de edokesen ho theos ho aphorisas me ek koilias metros mou, kai kalesas dia tes charitos autou, apokalypsai ton Huion autou en emoi, hina euangelizomai auton en tois ethnesin, eutheos oi prosanethemen sarki kai haimati, oude anelthon eis Hiersolyma pros tous pro emou apostolous, alla apelthon eis Arabian kai palin hypestrepsa eis Damaskon.

Zu deutsch: Wenn jedoch erfreut war, Gott der Eine, mich ausserwählt zu haben, mich vom Bauch meiner Mutter und mich gerufen hat mit der Gnade von Ihm, zu offenbaren den Sohn von Ihm in mir, dass ich ihn predigen kann, Ihn unter den Fremden. Nicht sofort konsultierte ich mit Fleisch und Blut, noch ging ich zu den Aposteln in Jerusalem die vor mir waren, sondern ich zog weiter nach Arabia und wieder nach Damaskus.

Er bezieht sich ganz Klar auf die Apostel in Jerusalem, sonst hätte er einfach schreiben können: Ich ging nicht nach Jerusalem. Er drückt hier aus unabhängig von den Aposteln das Evangelium für 3 Jahre gebracht zu haben und erst dann den Kontakt mit den anderen Aposteln gesucht zu haben. Wenn es im um die Beschreibung seines Weges gegangen wäre, hätte er seine Reise durch Arabien etwas mehr ausgeschmückt und nicht in diesem Vers und im nächsten Bezug auf die Apostel genommen. Zudem ist die Stelle: "Ihn unter den Fremden", für mich ein Indiz für meine Theorie zu APG 22, denn erst bei der Erscheinung während des Gebets im Tempel wird meines wissens nach Paulus seine Rolle als Apostel primär für Nicht-Juden bewusst.

APG 9,26ff passt für mich dann zu Galater 1,18. Wie weit die Kunde über Saulus Bekehrung gereicht hat ist unklar, man muss auch bedenken dass Christen zu dieser Zeit verfolgt wurden und der Informationsfluss zwischen den verschieden Gemeinden nicht einfach war. Zudem ja auch die nicht konvertierten Juden gute Gründe gehabt hätten Saulus Bekehrung nicht allzu bekannt werden zu lassen. Ganz unbekannt konnte es nicht sein, da Barnabas ihm ja vertrauen schenkt. Vermutich gab es verschiedene Informationen zu Paulus während seiner Zeit in Arabien, welche zur Unklarheit unter den Aposteln führte.

 

Von: Markus M.
◷ 15 Dezember
(vor 2 Monaten)

Erstens haben wir keinen Ursprungstext sondern nur Abschriften und diesen Text nennt man Grundtext bzw. müssten Sie schon genauer schreiben von welchem griechischen Grundtext Sie übersetzen, da wir ja mehrere haben. Zweitens können Sie gerne den Text auf Griechisch posten, da ich Griechisch und Hebräisch gelernt habe, was aber eigentlich unnötig ist, da man den Text ja nachschlagen kann.

Wenn Paulus schreibt "sondern ich zog weiter nach Arabia und wieder nach Damaskus", von wo zog dann Paulus Ihrer Meinung nach weg? 
Logisch, und vom Text her deutlich, ist hier Damaskus gemeint und nicht Jerusalem. 

Apostelgeschichte 9,26ff kann meiner Meinung nach nicht 3 Jahre später stattgefunden haben. Es ist völlig unlogisch zu glauben das Paulus 3 Jahre lang Jesus als Messias verkündet und niemand (außer Barnabas) dies in Jerusalem mitbekommen hat. Paulus war ja kein Unbekannter sondern der bekannteste Christenverfolger. Und laut Apg. 9,21 hat sich das ja bereits in Damaskus herumgesprochen! Wenn sich dieser bekehrt, dauert es keine 3 Jahre bis sich das herumspricht, auch nicht in der Antike! Und natürlich hat es einen Informationsfluss zwischen den Gemeinden gegeben, das sehen Sie doch an den ganzen Briefen die es gibt. 

Und Sie glauben auch, dass zwischen Apg. 9,25 und Vers. 26 drei Jahre liegen?

Außerdem steht in Gal. 1,19 das Paulus bei seinem Jerusalemaufenthalt keine Apostel (außer Petrus) getroffen hat, was aber wiederum Apg. 9,27 widerspricht, wo steht, dass Paulus die Apostel (Plural) getroffen hat.

Von: Johannes
◷ 15 Dezember
(vor 2 Monaten)

Habe mich auf den Grundtext aus der interlinear Übersetzung bezogen, den ich gepostet habe. Wenn sie hebräisch und griechisch beherrschen haben sie mir etwas vorraus. Mir war nur wichtig zu zeigen auf welche Grundlage ich mich beziehe. Mein Punkt war zu verdeutlichen, dass er im ersten Kapitel des Galaterbriefes nicht primär über seine Reise spricht sondern sich dort von den anderen Aposteln abgrenzt. Für mich steht dort, dass er es nach Arabia zog ehe er sich mit den anderen Aposteln absprach, darauf liegt ja der Schwerpunkt, dies ist das Thema in dem Kapitel.

Gerade weil er ein bekannter Christenverfolger war, wird doch die Vorsicht der Aposteln trotz der Informationen, dass er jetzt von Jesus als Messias predigt, verständlich. Wenn mich jemand umbringen will und ich dann höre, dass er jetzt ein Heiliger ist, würde ich auch vorsichtig sein. Es haben wahrscheinlich alle mitbekommen, nur Barnabas hatte den Mut sich mit ihm auseinanderzusetzen und für ihn zu bürgen.

Wenn nicht 3 Jahre dazwischen liegen hätten wir wahrlich einen Wiederspruch. Ich weiss es nicht, halte es aber für denkbar, da eine nicht chronologische Erzählung an diesem Punkt Sinn machen würde.

Es ist eine Falschaussage wenn sie behaupten, dass in Gal. 1,19 geschrieben steht, dass Paulus nur Petrus getroffen hat. Er traf auch Jakobus. 2 Apostel = Plural

Von: Markus M.
◷ 15 Dezember
(vor 2 Monaten)

Die Vorsicht der Aposteln kann man nachvollziehen, wenn 3 Tage oder 3 Wochen um sind, aber nicht 3 Jahre.

Ihr Lösungsvorschlag ist ernsthaft eine "nicht chronologische Erzählung" innerhalb einzelner Verse in der Apostelgeschichte?

Zu Gal. 1,19: Jakobus, der Bruder des Herrn, war keiner der 12 Apostel. In 1. Kor. 15,7 wird er sogar von den Aposteln explizit unterschieden. Und selbst wenn Paulus 2 Apostel getroffen hätte, so sind das immer noch zu wenig als in Apg. 9,27 erwähnt. Mit "Die Apostel" ist ja wohl die Gruppe der zwölf gemeint und nicht nur zwei einzelne Personen, die hätten dann ja auch namentlich erwähnt werden können. Wenn da steht "Barnabas aber nahm ihn zu sich und führte ihn zu den Aposteln" dann ist damit sicher mehr gmeint als nur Petrus und Jakobus, der kein Apostel war. 

Von: Johannes
◷ 16 Dezember
(vor 2 Monaten)

Der Punkt mit Jakobus muss ich Ihnen zugehstehen, da hab ich meine Hausaufgaben nicht richtig gemacht.

Da ich mich dort so verlaufen haben, möchte ich mich nicht zu stark auf die Theorie der nicht chronologischen Erzählung stützen, blinder Protektionismus bringt ja niemanden weiter. 

Von: Frithjof
◷ 9 September
(vor 5 Monaten)

Die Paulinsche Theologie wurde kritisiert, weil sie nicht immer mit der Lehre der Apostel übereinstimmt. Deshalb behauptet Paulus in Galater 1, er hätte sie nicht von den Aposteln sondern von Jesus direkt erhalten. In den Paulusbriefen steht die Meinung von Paulus und nicht immer die Wahrheit. Die Paulusbriefe haben den Frauen viel Leid gebracht. Wir wissen nicht, wer sie geschrieben hat.

Von: Johannes
◷ 14 Dezember
(vor 2 Monaten)

Jesus beschreibt selbst in Johannes 16,12, dass die Apostel nicht das gesamte Evangelium überliefert bekommen haben. Sondern das der Geist der Wahrheit, sie in die ganze Wahrheit leiten würde. Paulus bringt nichts was Christus und den Aposteln widersprechen würde, es wird nur vervollständigt wie von Jesu prophezeit.

Finde es kritisch dies als Unwahrheit zu bezeichnen, zumindest falls sie gläubig sein sollten. Es sei denn sie können Lügen von Paulus aufzeigen. 

Und die Briefe alleine haben den Frauen kein Leid gebracht. Herzlose Männer die einzelne Stellen aus dem Kontext reißen um ihre Lust gegen den Willen der Frau durchzusetzen, haben Leid gebracht. Ob mit Paulus oder ohne. Man kann ihn nicht einfach streichen, weil sonst das gesamte Evangelium unvollständig ist.

Von: Markus M.
◷ 14 Dezember
(vor 2 Monaten)

Erstens beschreibt Johannes 16,12 nicht das was Sie behaupten und zweitens war zur Niederschrift des NT der "Geist der Wahrheit" ja schon vorhanden, weswegen ich Ihr Argument hier nicht verstehe.

Natürlich widersprechen sich Christus und Paulus. Christus hat niemals gesagt, dass das Gesetz obsolet wäre, er hat es gehalten und gesagt, dass es nicht vergehen wird (Matthäus 5,18), Paulus hingegen betrachtet das Gesetz als obsolet, ja er verachtet es sogar und redet vom "Fluch des Gesetze" (Gal. 3,12). Was natürlich auch völlig dem AT widerspricht, wo das Gesetz als vollkommen (Ps. 19,8) und ewig (Ps. 119) bezeichnet wird!

Die Evangelien und Paulusbriefe haben der Menschheit sehr wohl viel Leid gebracht. Der Judenhass und Antisemitismus hat hier seinen Ursprung (besonders deutlich in den Schriften der Kirchenväter). Zu behaupten die Briefe hätten kein Leid gebracht, ist wie zu behaupten die "Protokolle der Weisen von Zion" hätten kein Leid gebracht. Diese Briefe und Schriften sind nun mal die Quelle, der Ursprung, des Leides, egal ob Sie die Schuld auf andere Personen abwälzen wollen. Gäbe es religiöse Schriften nicht, wäre die Menschheit sicher besser dran.

Von: Johannes
◷ 15 Dezember
(vor 2 Monaten)

Vor meiner Antwort möchte ich erstmal meine Position aufzeigen. Ich bin keiner Konfession oder Organisation angehörig, ich bin durch die Schrift zum Glauben gekommen und möchte diese nun so gut es mir möglich ist verstehen. Im Mittelpunkt meines Glaubens steht Jesus Christus, wenn ich sehen würde, dass Paulus Lehren bringt die gegen die Lehren der Christus sind, dann verwerfe ich sie ohne zu zögern. Ich will mir keinen eigenen Gott basteln, welcher mir entspricht sondern dem einen anhängen der da ist. Obwohl ich Paulus nicht wiederspreche, kann ich dem Ps. 19,8 und Matthäus 5,18 aus vollstem Herzen zustimmen. Das mag für Aussenstehende wiedersprüchlich wirken, ist es aber nicht. Denn wenn mein Seelenheil nur an dem Gesetz hängen würde, könnte ich es gleich bleiben lassen Jesu nachzufolgen, denn ich hab es wie jeder Mensch dutzendfach übertreten und ohne den Tempel oder Begegnungsstätte nach jüdischer Vorstellung gibt es auch keine Möglichkeit der Vergebung. Es ist dem Menschen unmöglich das Gesetz in Fülle zu halten, obwohl es gerecht ist. Wobei das Gesetz für mich in der Basis die zehn Gebote sind, die 613 Ver- und Gebote sind davon inspirierte menschliche Gebote, wie Jesus ja selbst bestätigt (siehe Mattheus 19,8). Paulus verachtet das Gesetz nicht, er spricht zwar vom Fluch des Gesetzes darauf hin spricht er davon das uns Christi zum Fluch geworden ist. Wollen sie behaupten er hat auch Christi verachtet? Sie reißen das aus dem Zusammenhang, so gehe ich als Gläubiger nicht damit um, denn aus der Summe des Wortes wird die Wahrheit.

Das der Judenhass seinen Ursprung in dem neuen Testament hat ist eine sehr steile These. Ein Glaubensmodell, welches auf der jüdischen Religion basiert und in dem der jüdischste Jude Gottes Sohn ist, in welchem Israel das auserwählte Volk unseres Gottes ist halte ich nicht für die Quelle des Antisemitismus. Die Kirche ist auf Antisemitus und Judenhass begründet, dies gebe ich bereitwillig zu und distanziere mich davon. Die Bibel verurteilt jeden Mensch gleichermaßen, wenn ich es mal böse ausdrücken darf und lehrte uns Härte nach innen und Gnade nach aussen.

Das die Briefe die Quelle des Leids sind verstehe ich bei bestem Willen nicht. Natürlich kann man einzelene Verse aus dem Zusammenhang reißen und damit Frauen in eine Knechtschaftsartige Beziehung bringen, wenn man sie in gänze beherzigt sehe ich einen moralischeren Menschen gezeichnet als ich ihn jemals in Realität gesehen hab. Der Mensch ist von sich aus schon böse, da brauch er keine Religion dazu. 

Das es problematische religiöse Schriften gibt ist unbestreitbar, ich verstehe nur nicht warum sie sich dann so auf die Bibel eingeschossen haben. Das Evangelium lehrte uns, sich aus politischen Angelegenheiten möglichst rauszuhalten, an uns zuarbeiten und auf das Königreich Gottes zu warten. Auch wenn sie die Bibel für erfunden halten, in wie weit sehen sie durch sie eine Gefahr für ihr Leben und ihre Freiheit, wo werden sie durch Gläubige eingeschrenkt oder gestört?

Von: Markus M.
◷ 15 Dezember
(vor 2 Monaten)

Wenn Sie schreiben "und ohne den Tempel oder Begegnungsstätte nach jüdischer Vorstellung gibt es auch keine Möglichkeit der Vergebung" sind sie einem gängigen Irrglauben aufgesessen. Natürlich gibt es Sündenvergebung ohne dem Tempel, oder wie glauben Sie hat Daniel, Nebukadnezar oder die Niniviten Sündenvergebung erlangt? Lesen Sie den Abschnitt: Gibt es Sündenvergebung nur durch Blutvergießen? oder schauen Sie folgendes Video: https://www.youtube.com/watch?v=rhofoiW7uQ0

Nebenbei bemerkt, die 10 bzw. 613 Gebote sind für die Juden gedacht und nicht für Heiden. Sind Sie Jude?

"Paulus verachtet das Gesetz nicht" Was macht er dann mit dem Gesetz? Hält er es?

"Wollen sie behaupten er hat auch Christi verachtet?" Wo habe ich das behauptet? Die Formel Jesus = Gesetz gibt es nicht.

"Das der Judenhass seinen Ursprung in dem neuen Testament hat ist eine sehr steile These" Dann besuchen Sie mal eine Vorlesung zum Thema Antisemitismus oder lesen Sie die Bücher der Kirchenväter.

"ich verstehe nur nicht warum sie sich dann so auf die Bibel eingeschossen haben" Ich lehne alle religiösen Schriften ab! Die Bibel kenne ich aber nunmal am Besten und ich war 20 Jahre lang Christ, also ist ja wohl klar, dass ich mich hier auf die Bibel beziehe und nicht auf den Koran, mit dem ich nichts zu tun habe.

"Auch wenn sie die Bibel für erfunden halten, in wie weit sehen sie durch sie eine Gefahr für ihr Leben und ihre Freiheit" Das auszuführen würde hier den Rahmen sprengen, außerdem kenne ich genügend Menschen, die geistlichen Missbrauch erlebt haben. Ein Leben unter (veralteten und absurden) Geboten ist eine klare Einschränkung der Freiheit! 

Von: Johannes
◷ 15 Dezember
(vor 2 Monaten)

Sehr interessanter Punkt, ich dachte immer, dass es ohne Opfer keine Sühnung gibt. Damit setzte ich mich ausseinander, danke für den Hinweis.

Richtig, die Torah wurde den Juden gegeben. Trotzdem lassen sich mit Ihr ja Rückschlüsse auf die Erwartung Gottes an den Menschen ziehen. Ich hab keine Bar mitzwa abgelegt, dennoch ist auch mir die Torah eine Weisung.

Ehrlich gesagt weiss ich nicht inwieweit Paulus das Gesetz gehalten hat. Mir fällt nichts ein wo er dagegen verstoßen hätte.

Den Antisemitismus in der Kirchengeschichte sehe ich auch, allerdings sehe ich die Ursache nicht in der Schrift. Vielleicht die Stelle in der jeder der Christus leugnet als Lügner bezeichnet wird, aber auch dass schließt ja alle Menschen und nicht nur die Juden mit ein.

Möchte Ihnen auch nicht zu Nahe treten, nur ich sehe nicht wo die Schrift den Gläubigen aufträgt anderen Menschen unter diese Gebote zu zwängen. Und die Kernaspekte nach dennen ich mein Leben ausrichte halte ich nicht für veraltet und absurd. Glauben oder Unglauben ist jedem offen und schätze niemanden weniger der nicht glaubt.

Von: Markus M.
◷ 15 Dezember
(vor 2 Monaten)

Sie dachten das, weil es fälschlicherweise in Hebr. 9,22 steht.

Die Rückschlüsse auf die Erwartungen Gottes sind nicht nachvollziehbar und teilweise völliger Blödsinn. Was hat Gott dagegen, wenn man Kleider aus zwei unterschiedlichen Stoffen anhat? Warum soll man homosexuelle Personen umbringen? Warum schafft Gott überhaupt unreine Tiere und verbietet dann später deren Verzehr. Ich könnte noch hundert andere Punkte aufzählen die äußerst fragwürdig sind.

Paulus hat das Gesetz abgelehnt, wird ja deutlich im Galaterbrief (besonders in 3,24f), er hat die Beschneidung abgelehnt (Gal. 5)  Und lesen Sie mal 1. Kor. 9,20-21.

Bezüglich Antisemitismus: In Joh. 8,44 sagt Jesus zu den Juden "Ihr habt den Teufel zum Vater", Kirchväter haben das später zum Anlass für Antisemitismus genommen.
Gibt sogar einen Wikipediaeintrag zu dem Thema: https://de.wikipedia.org/wiki/Antijudaismus_im_Neuen_Testament

Von: Johannes
◷ 16 Dezember
(vor 2 Monaten)

Das einzelne Ge und Verbote Recht absurd wirken mögen nach heutiger Vorstellung sehe ich ein. In meiner Vorstellung waren die Gesetze Mose immer darauf ausgelegt die Israeliten deutlich von den anderen Völkern abzuheben und damit den Kern, die 10 Gebote zu bewahren. Es lässt sich nicht leugnen, dass die Lehre von Paulus, nun die Gesetze unter den persönlichen Glauben stellen, jedoch sehe ich nicht dass er etwas konträr zu den 10 Geboten lehrt.

Joh. 8,44 bezog ich immer auf die Pharisäer und Saduzäer, wobei dass rein aus der Schrift nicht ersichtlich wird. Er adressiert es hier nicht klar. Dennoch geht es ja um Glaubens Angelegenheiten, nicht um ethnische Zugehörigkeit.

Vielen Dank für ihre Arbeit, habe definitiv etwas gelernt.

Erlauben Sie mir eine Frage privater Natur. Haben Sie sämtliche Spiritualität nach Ihrer Auseinandersetzung mit der Bibel verworfen, oder basiert diese jetzt nur nicht mehr auf Überlieferungen?

Sich die im Wikipedia Artikel befindlichen stellen speziell auf Judenfeindlichkeit hin anzuschauen, hat schon einen starken Beigeschmack.

Gerade das Gleichnis vom Weinberg in dem Lichte hat mir körperliches Unwohl bereitet. 

Von: Markus M.
◷ 16 Dezember
(vor 2 Monaten)

"In meiner Vorstellung waren die Gesetze Mose immer darauf ausgelegt die Israeliten deutlich von den anderen Völkern abzuheben und damit den Kern, die 10 Gebote zu bewahren." 
Auch andere Völker hatten ähnliche Gesetze. Siehe z.B. das Ägyptische Totenbuch oder der Codex Hammurapi. Es ist völlig klar und nichts außergewöhnliches, das man sich mit Geboten von anderen Völkern abhebt. Die Frage die sich hier aber stellt, ist, ob ein allwissender und allweiser Gott die Gebote diktiert hat, oder ob sich die Gebote Menschen ausgedacht haben. Zweiteres ist meines Erachtens naheliegender.

Es ist egal, ob es Joh. 8,44 um ethnische Zugehörigkeit geht oder nicht. Fakt ist, dass dieser Vers ausschlaggebend war für Judenverachtung und Judenfeindlichkeit.

Die Antwort Ihrer privaten Frage finden Sie hier: https://bibellexikon.com/mein_ausstieg.php

Von: Till Jeske
◷ 25 Juli
(vor 6 Monaten)

Es handelt sich hier nicht um ein Problem, da keine widersprüchlichen Behauptungen vorhanden sind. Während der Galaterbrief eine Primärquelle ist, ist die Apostelgeschichte eine Sekundärquelle, heißt, ein zusammengetragener Bericht aus Primärquellen. Lösungsvorschläge könnte sein: Die Apostel in Apg waren eben nicht alle Apostel sondern nur Petrus und Jakobus.

Von: Markus M.
◷ 25 Juli
(vor 6 Monaten)

Doch der Widerspruch ist offensichtlich, denn die Orte passen nicht zusammen.

Dass Paulus in der Apg. nur zwei Apostel getroffen hat ist vom Kontext her unwahrscheinlich. Es steht ja "Barnabas aber nahm ihn und brachte ihn zu den Aposteln". Warum sollte Lukas den Begriff "Apostel" verwenden, wenn es sich hier lediglich um Petrus und Jakobus handelt?

Lesen Sie doch mal Apostelgeschichte 9,26-27: "Und er ging mit ihnen aus und ein in Jerusalem und sprach freimütig im Namen des Herrn. Und er redete und stritt mit den Hellenisten; sie aber trachteten, ihn umzubringen. Als die Brüder es aber erfuhren, brachten sie ihn nach Cäsarea hinab und sandten ihn weg nach Tarsus." Das klingt nicht danach als wäre das nur ein Kurzaufenthalt gewesen.

 

Von: Till Jeske
◷ 25 Juli
(vor 6 Monaten)

Ihre Behauptung, der Widerspruch sei „offensichtlich“ kann ich nicht teilen. Ich gebe zu, dass ein Widerspruch bestehen kann und, dass Ihre Begründung nicht unplausibel ist. Meine Erklärung liegt aber ebenfalls im Bereich des Möglichen, auch wenn sie vorerst weniger plausibel scheint.

Beachten Sie aber folgendes: Da Paulus und Lukas Gefährten waren, also viel Zeit miteinander verbracht haben, und insbesondere Lukas zur Zeit des Verfassens seiner Apostelgeschichte mit und bei Paulus war, muss dieser scheinbare Widerspruch ja irgendwie erklärbar sein. Warum sollte sich Lukas mit Paulus nicht über diesen Punkt ausgetauscht haben? Der Galaterbrief existierte zum Zeitpunkt des Verfassens der Apostelgeschichte schon (da sind sich die Gelehrten ausnahmsweise einig), also ist es sehr wahrscheinlich, dass Lukas diesen kannte. Warum sollte er dann einen Widerspruch in seinem Bericht erzeugen?

Es muss also eine Erklärung hierfür geben. Wer weiß denn, ob die anderen Jünger überhaupt zu dem betreffenden Zeitpunkt in Jerusalem waren? Ich denke, dass der Galaterbrief die detaillierte Beschreibung ist und die Apostelgeschichte die ungefähre. Lukas hat die Details hinsichtlich Arabien (zwischen zwei Damaskusaufenthalten) und hinsichtlich der Frage, welche Apostel Paulus denn genau getroffen hat, und auch wie lange genau Paulus beim ersten Mal in Jerusalem war ausgelassen, weil er davon ausgehen konnte, dass diese Details ja schon aufgrund des bereits seit Jahren kursierenden Galaterbriefes bekannt waren. Und hat nur dann Details hinzugefügt, wenn diese bei Paulus wiederum fehlten. So nach dem Motto: „Paulus, sag mal, du hast im Brief geschrieben, dass du dann erst nach 14 Jahren wieder in Jerusalem warst, was hast du zwischendurch noch so gemacht, kann doch nicht sein, dass du nur in Syrien und Zilizien warst? Schreib mir wo du noch warst, das schreibe ich dann im Detail auf“. Auch hier besteht nicht notwendigerweise ein Widerspruch. Wir haben öfters in den Berichten des NTs scheinbare Widersprüche, wenn Details abweichen, zB. die unterschiedlichen Berichte der synoptischen Evangelien über das Entdecken des leeren Grabes. Beim genauen Hinschauen schließen sich die Berichte aber nicht aus (sind also nicht widersprüchlich), sie variieren nur in den Details. Nur weil Matthäus neben den zwei Marias keine weiteren Frauen erwähnt, die aber Lukas erwähnt, muss das nicht heißen, dass die anderen Frauen nicht anwesend waren.

Also: Meiner Meinung nach sind die Berichte komplementär, nicht konträr. Kontrarietät würde aufgrund der Beziehung zwischen den beiden Autoren keinen Sinn machen.