Von 70 Personen auf 2 Millionen in nur 4 Generationen? (1. Mose 15,13-16)

Gott prophezeit Abraham, dass seine Nachkommen 400 Jahre lang in einem fremden Land unterdrückt werden. Nach 4. Generationen (nach Abraham) sollen diese wieder ins Land Israel zurückkehren.

In 4 Generationen kann jedoch aus 70 Personen (1. Mose 46,27) kein Volk von 2-3 Millionen (2. Mose 38,26; 4. Mose 1,46) werden.

Siehe dazu auch das Problem: Wie lange war Israel in Ägypten? (2. Mose 12,40)


1. Mose 15,13-16
Und er sprach zu Abram: Gewißlich sollst du wissen, dass dein Same ein Fremdling sein wird in einem Lande, das nicht das ihre ist; und sie werden ihnen dienen, und sie werden sie bedrücken vierhundert Jahre. Aber ich werde die Nation auch richten, welcher sie dienen werden; und danach werden sie ausziehen mit großer Habe. Und du, du wirst zu deinen Vätern eingehen in Frieden, wirst begraben werden in gutem Alter. Und im vierten Geschlecht werden sie hierher zurückkehren; denn die Ungerechtigkeit der Amoriter ist bis hierher noch nicht voll.
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Lösungsvorschläge

Von: Simon Poppe
◷ 15 April
(vor 6 Monaten)

Das wird ja auch gar nicht behauptet in der Bibel. Es gab rund 600.000 Männer (4.Mo.11:21), aber unter ihnen auch viel "Mischvolk" (4. Mo.11:4). Die 600.000 Mann waren also nicht alles Israeliten, die von Jakob abstammten (s.auch 2. Mo.12:37-38).

Von: Markus M.
◷ 15 April
(vor 6 Monaten)

Ihre Behauptung ist leider falsch. Siehe 4. Mose 1. Hier werden nur die Israeliten gezählt und man kommt auf 603.550 Männer (siehe Vers 46). Siehe dazu auch 4. Mose 2,32.

Das Mischvolk wurde generell nicht gezählt.

Von: Heiko
◷ 4 März
(vor 7 Monaten)

Man muss ja gar nicht den Vergleich zwischen 1. Mose 46,27 und 4. Mose 1,46 ziehen.

Die beiden Aussagen

1) 4 Generationen und

2) 400 Jahre, die stehen ja schon mit nur wenigen Worten Abstand in 1. Mose 15,13-16. Die Frage ist dann doch: wie hat das der Autor dieser Sätze gemeint. Warum ist ihm das nicht aufgefallen, dass da 400 Jahre gleich 4 Generationen sind? 

Daraus folgt doch unmittelbar: der Autor dieser Sätze hat selbst die Auffassung vertreten, dass Generation (hebr. "dor") an dieser Stelle also 100 Jahre zu verstehen ist und die gesamte Lebenszeit eines Menschen meint, der alt wurde und nicht vorzeitig starb.

Bleibt nur noch, ob man von 70 Personen in 400 Jahren auf 2 Mio kommen kann. Bei 25 Jahren Abstand zwischen Geburt und den eigenen Kindern sind das immerhin 16 Generationen (in unserem Sprachgebrauch). Also (2 Mio / 70) und davon die 16. Wurzel. Das ist ein Faktor von 1,89 pro Generation, das ist noch nicht einmal eine Verdoppelung der Bevölkerung pro Generation. Bei den hohen Kinderzahlen damals gar kein Problem. 
 

Von: Markus M.
◷ 5 März
(vor 7 Monaten)

1. In der modernen Theologie geht man davon aus, dass verschiedene Personen an den Mose Texten geschrieben haben. Der Autor von 1. Mose 15 kann also ein anderer sein als von 1. Mose 46.

2. Die 400 Jahre können nicht stimmen. Siehe https://bibellexikon.com/widerspruch_in_2_mose_12_40.html

3. Dass Völker so schnell wachsen, ist zu damaliger Zeit (vor allem wegen Kindersterblichkeit, Krankheit, Sklaverei udgl.) nicht möglich.

Von: Urs Berger
◷ 7 Februar
(vor 8 Monaten)

Hallo zusammen

auch hier liegen wir falsch. Eine Genration bedeutet damals nicht 100 Jahre. Eine Generation kann man mit ca. 25 Jahren berechnen. Nun gibt es Ausleger die die Sklavenarbeit bei den Ägyptern auf 230 Jahre berechne. Sie rechnen dabei den Aufenthalt bei den Ägyptern ab der Prophezeiung an Abraham an. Damit kommen sie auf eine tiefere Zeit der Versklavung, nämlich genau die Hälfte. Dies scheint Gal. 3 zu bestätigen. Dabei gibt es aber zwei Stolpersteine. Der erste ist der Auszug selbst. Dieser ist, wenn man die umliegenden Länder und deren Geschichte beachtet, nur unter dem PharaoAmenemhet IV möglich, wenn man von seiner Regierungszeit ausgeht. (5 Jahre, 1763 - 1759 v. Chr.) 

Gehen wir nun zurück zu den 430 Jahren, die der Aufenthalt in Ägypten dauerte. Ziehen wir das Sterbedatum von 1759 ab, landen wir im Jahr 2189 davon können wir wiederum die guten Jahre abziehen. Diese werden indes nicht erwähnt, wie lange diese dauerten. Gehen wir davon aus, dass Josef unter der 9. Dynastie im Alten Reich nach Ägypten kam, liegen wir genau richtig. Mit der 12. Dynastie kam schließlich ein "Pharao, der nichts von der Geschichte Josefs wusste". 

Damit steht fest, dass durchaus die Juden auf über 4 Millionen anwachsen konnten. Gehen wir zudem davon aus, dass nur jedes 10 Kind überlebte, eine Generation mit den üblichen 25 Jahren berechnen liegt dies durchaus im Bereich des Möglichen. Weiter, und dies ist eine Schwachstelle meiner Theorie, kann das Wort "Generation" auch auf den Ältesten der Sippe zurückgeführt werden. Stirbt dieser, dann entsteht eine neue Generation von seinem "Erstgeborenen Sohn". Was wiederum zu 4 Generationen führt. So gesehen ist die Annahme von 4 Millionen Juden, die aus Ägypten ausziehen durchaus im Bereich des möglichen. 

Liebe Grüße
Urs

Von: Markus M.
◷ 14 Februar
(vor 8 Monaten)

So ganz verstehe ich Ihre Erklärung nicht.
Dass eine Generation 100 Jahre bedeutet, hat ja niemand behauptet. Die 400 Jahre beziehen sich auf die Gefangenschaft in Ägypten und die 4 Generationen auf die Zeit von Abraham bis zum Exodus.

Das Pharao Amenemhat IV zu der von Ihnen angegebenen Zeit regierte, ist unwahrscheinlich. Vermutlich reagierte er 9 Jahre (1819/1802 bis 1810/1793 v. Chr.).
Wie auch immer, ich kenne keinen Theologen, der den Exodus zu seiner Zeit annimmt.

Dass das Volk 430 Jahre in Ägypten war, ist übrigens nicht möglich. Siehe dazu den Widerspruch hier: https://bibellexikon.com/widerspruch_in_2_mose_12_40.html

Von: M. H.
◷ 15 Januar
(vor 9 Monaten)

Für die Dauer von 215 Jahren spricht 3.): Bei einer Wachstumsrate von 4,91 % (entspricht in etwa der heutigen Wachstumsrate in einzelnen Ländern Afrikas) wären nach 215 Jahren die 70 Menschen zu einem 2 Mio. Volk herangewachsen. Siehe dazu 2. Mose 12,37 bzw. 2. Mose 38,26.
[Aus: Kurt Becker, Arbeitsblätter zur Chronologie der Bibel]

Von: Markus M.
◷ 17 Januar
(vor 9 Monaten)

Mit welcher Generationendauer und Kindersterblichkeitsrate haben Sie hier gerechnet?

Bedenken Sie auch, dass die Lebensdauer von Sklaven, die hart arbeiten mussten, nicht gerade lang war.

Von: Viktorian
◷ 8 Februar
(vor 8 Monaten)

In Afrika gibt es auch hohe Sterblichkeit durch Hunger, Krieg usw. Und trotzdem vermehren sie sich schneller als jedes andere Volk

Von: Daniel Nixdorf
◷ 21 September
(vor 1 Jahr)

Erklärungsmöglichkeit:

„Die Frage ist natürlich, wie plausibel ein Bevölkerungswachstum von 75 Männern plus Familien auf ungefähr zwei Millionen Israeliten beim Auszug aus Ägypten ist. Wir scheitern hier mit unserer Vorstellungskraft, da Exponentialfunktionen (und diese kommen bei biologischem Wachstum zum Tragen!) uns jedes Mal extrem überraschen. Denken wir nur an das Schachbrett, wo wir auf das erste Feld ein Reiskorn legen, und bei jedem weiteren Feld jeweils die doppelte Menge an Reiskörnern. Das sind am letzten Feld 2 hoch 64 Reiskörner oder 18.446.744.073.709.551.616!

Auf Creationwiki hat jemand die Berechnungen erklärt. Ich fasse zusammen: Die Israeliten hatten damals noch eine Lebenserwartung von bis zu 100 Jahren (Mose wurde 120). Das durchschnittliche Alter der drei Generationen vor Mose war 135 Jahre. Dementsprechend länger war man damals auch fruchtbar und konnte sich intensiver vermehren. Auch waren besonders bis zur Zeit der Geburt des Moses, als sie überhandnahmen und versklavt wurden, die Lebensbedingungen im Nildelta hervorragend.

Um in diesen 215 Jahren auf drei Millionen (zwei würden auch passen, aber der Autor rechnete auf drei), genügt eine jährliche Geburtenrate von 57 Geburten pro 1000 mit 11 Sterbefällen pro Jahr. Das ist realistisch; es ist nur das Doppelte [Anm: ca. 8 Kinder im Schnitt pro Paar] der durchschnittlichen Geburtenrate weltweit [Anm.: ca. 4 Kinder im Schnitt pro Paar]. In 430 Jahren [Anm.: allein in Ägypten wie im Masoretischen Text] wäre Israel weit über das biblische Maß hinaus gewachsen. Außerdem fehlen in der Genealogie von Moses und Aaron weitere Glieder, um einem Zeitraum von 430 Jahren zu entsprechen.

Dr. Neidhart gibt dem im Wesentlichen Recht: „Das Problem ist also, ob und gegebenenfalls wie ein Bevölkerungswachstum von 140 auf 2,5 Millionen in 214 Jahren [Anm.: laut Septuaginta und Samaritanischen Pentateuch] möglich ist. Dies ist wider Erwarten tatsächlich auf natürliche Weise möglich.“ [Neidhart, Pentateuch Vorlesung 2018 S. 16]

Und zwar so: „Wenn sich die Bevölkerung alle 30 Jahre mindestens vervierfacht (das wäre z.B. der Fall, wenn jedes Paar im Laufe von 30 Jahren acht Kinder bekommt und dann stirbt; man beachte, dass in der Antike Mädchen oft schon mit zwölf Jahren ihr erstes Kind bekamen, dann sechs Jahre lang optimal gebärfähig waren und dann ab dem Alter von 30 Jahren kaum noch Kinder bekamen), so hätte man ausgehend von 140 Personen nach 30 Jahren 560 Personen, nach 60 Jahren 2240 Personen, nach 90 Jahren 8960 Personen, nach 120 Jahren 35.840 Personen, nach 150 Jahren 143.360 Personen, nach 180 Jahren 573.440 Personen, und nach 210 Jahren 2.293.760 Personen, also schon fast die erforderlichen 2,5 Millionen. Um den genauen Wert für die Bevölkerung nach 214 Jahren zu bekommen, kann man die exponentielle Wachstumsformel benutzen: Nach n Jahren beträgt eine Anfangspopulation von 140 bei einem gleichmäßigen Wachstum derart, dass sich die Population alle 30 Jahre vervierfacht, 140 hoch (4 mal n/30) Individuen; für n = 214 ergibt sich die Zahl 2.759.451 Personen, also mehr als die erforderlichen 2,5 Millionen. Aus einem einzigen Stammelternpaar entstehen in 214 Jahren auf diese Weise 2 hoch (4 mal 214/30) = ca. 39.421, also ca. 40.000 Personen. Dass ein Paar, das es darauf anlegt, viele Kinder zu bekommen, tatsächlich leicht acht Kinder bekommen kann, ist bekannt. In Ruanda lag die durchschnittliche Kinderzahl 1970 sogar bei 8,2 und in Kenia bei 8,1; im Irak lag sie 1950 ebenfalls bei 8,1, und im Niger lag sich noch 2016 bei 7,6. Bei den ultra-orthodoxen Juden im heutigen Israel (dem sog. charedischen Judentum) lag sie zwischen 2012 und 2014 immerhin bei 6,9.“ [Neidhart, Pentateuch Vorlesung 2018 S. 16]

Würde ich den Masoretentext deswegen(!) verwerfen, wenn ich ein Verfechter desselben wäre? Wahrscheinlich nicht, aber ich würde ihn bei dieser historischen Frage nicht mehr als Autorität zitieren können und müsste die LXX oder Flavius Josephus konsultieren. Wiederum: Es ist kein Fehler der Inspiration oder Gottes, es ist ein Fehler in der Überlieferung, der sich verfestigt hat.“
https://www.bod.de/buchshop/das-christliche-alte-testament-alexander-basnar-9783751981255

Von: Markus M.
◷ 21 September
(vor 1 Jahr)

Der Erklärungsvorschlag funktioniert vielleicht rein theoretisch unter Laborbedingungen. Hier wird in der Berechnung aber auf Kinder- und Jugendsterblichkeit völlig vergessen. Dass die Lebenserwartung damals, unter schlechteren hygienischen und medizinischen Voraussetzungen, höher war als heute, ist unwahrscheinlich. Ebenso ist es unwahrscheinlich, dass Familien, die ja in ägyptischer Sklaverei waren, so viele Kinder bekamen.

Ein Blick nach Afrika oder zu den ultra-orthodoxen Juden (die viele Kinder bekommen) zeigt ja, dass eine solche Vermehrungsrate praktisch nicht funktioniert.

Von: Daniel Nixdorf
◷ 21 September
(vor 1 Jahr)

Das mag sein, vielleicht aber ja auch nicht. Allein das man unter Laborbedingungen dahin käme - und das in 215 Jahren statt 430 Jahren - ist ja schon erstaunlich. Natürlich gehört aber der sicherlich notwendige Glauben an Wunder dazu, der grundlegend für viele der biblischen Geschichten notwendig ist - insbesondere hier das Wohlergehen und die Vermehrung des auserwählten Gottesvolkes Israel.