Warum kennt Saul David und Isai nicht? (1. Samuel 17,55-56)

In 1. Samuel 17,55-56 (nachdem David Goliath erschlagen hatte) erkundigt sich Saul nach David und nach seinem Vater. Diese Erkundigung wirkt etwas seltsam, denn im Kapitel davor hatte Saul und Isai bereits regen Austausch. Auch war David bereits Sauls Waffenträger und Musik-Therapeut (1. Samuel 16,19-23). Nicht nur das, Saul selbst bat Isai, dass David in seinen Dienst treten sollte.

Und kurz vor dem Kampf David gegen Goliath trifft David Saul und Saul bietet ihm seine Rüstung und Schwert an. Und nun (nach dem Kampf) soll er ihn nicht mehr kennen? Das wirkt dich sehr unglaubwürdig.

Interessanterweise fehlen die Verse 55-58 in der LXX (Septuaginta). Warum wohl?


1. Samuel 17,55-56
Und als Saul David ausziehen sah, dem Philister entgegen, sprach er zu Abner, dem Heerobersten: Wessen Sohn ist doch der Jüngling, Abner? Und Abner sprach: So wahr deine Seele lebt, o König, ich weiß es nicht! Und der König sprach: Frage du, wessen Sohn der junge Mann ist.
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1. Samuel 16,19-22
Da sandte Saul Boten zu Isai und ließ ihm sagen: Sende deinen Sohn David zu mir, der bei dem Kleinvieh ist. Und Isai nahm einen Esel mit Brot und einen Schlauch Wein und ein Ziegenböcklein, und er sandte es durch seinen Sohn David an Saul. Und David kam zu Saul und stand vor ihm; und er liebte ihn sehr, und er wurde sein Waffenträger. Und Saul sandte zu Isai und ließ ihm sagen: Laß doch David vor mir stehen, denn er hat Gnade gefunden in meinen Augen.
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Lösungsvorschläge

Von: Daniel Nixdorf
◷ 21 September
(vor 2 Jahren)

Erklärungsmöglichkeit:

Ähnlich wie bei Jeremia basiert die LXX-Fassung (ab ca. 250 v. Chr. entstandene griechische Septuaginta-Übersetzung des Alten Testaments, welche auch später hauptsächlich als AT-Referenz im vom Vornherein griechisch verfassten Neuen Testament verwendet wird) wohl auf einer älteren Vorlage als der Masoretische Text, wo wohl durch nachträgliche Änderungen bzw. Hinzufügungen einige Fehler entstanden sind, wie bspw. die obigen Verse.

s.a.: „Besonders auffällig ist, dass das Buch Jeremia in der LXX eine andere Kapitelreihenfolge aufweist und auch kürzer ist. Emanuel Tov, der sich mit der LXX in Qumran am ausgiebigsten befasste, schreibt dazu:

„Der LXX-Text von Jeremia weicht von der masoretischen Fassung des Buches oft in größeren Details ab. Es ist um ein Siebtel kürzer als der masoretische Text und unterscheidet sich von diesem durch eine unterschiedliche Anordnung des Materials. Da die Übersetzungstechnik der LXX in diesem Buch ziemlich wörtlich ist, wo die beiden Texte überlappen, ist es unwahrscheinlich, dass der Übersetzer seine hebräische Vorlage gekürzt hätte. Das impliziert, dass die Kürze der LXX einen kurzen hebräischen Text wiedergibt. Die Existenz eines kurzen hebräischen Textes von Jeremia wurde durch 4QJer bestätigt, der Teile der Kapitel 9-10, 43 und 50 umfasst (vgl. DJD XV).“

[Emanuel Tov, The Literary History of the Book of Jeremiah in Light of its Textual History, PDF: http://www.emanueltov.info/docs/papers/24.jer.1999.pdf?v=1.0 (28.11.2018), S.1]

Obwohl es auch Abweichungen dieses Fragments zur (rekonstruierten) Vorlage der LXX-Fassung von Jeremia gibt, bestätigt 4QJer den Aufbau und die Kürze der Vorlage und das Gros des Textbestandes. Vor diesem Fund war die Abweichung nur schwer zu erklären, nun aber befestigt sie die Erkenntnis, dass die LXX von einer anderen Textfamilie als der protomasoretischen übersetzt worden ist. Emmanuel Tov schreibt weiter:

„Die Frage ob die kurze oder die lange Version von Jeremia die frühere der beiden ist, wurde von Janzen (‚Jeremiah’), Min (‚Minuses and Pluses’) und Tov (‚Exegetical Notes’) diskutiert. Jede dieser Studien schlug vor, dass die kurze Version älter als die lange sei.“

[Emanuel Tov, The Literary History of the Book of Jeremiah in Light of its Textual History, PDF: http://www.emanueltov.info/docs/papers/24.jer.1999.pdf?v=1.0 (28.11.2018), S.1]

Tov geht davon aus, dass das Buch Jeremia später ergänzt und anders geordnet wurde, da die kurze Version keinerlei interne Hinweise auf eine längere gibt. Wohl aber umgekehrt. Tov schreibt: „Ausgabe II [Langfassung] hat einige Überschriften zu Prophezeiungen eingefügt, wo Ausgabe I [Kurzfassung] keine hatte. Bestehende kurze Überschriften hat er erweitert: (…)“

(…)

Beim ersten Buch Samuel sind die Unterschiede zwischen dem Masoretentext und der LXX auffallend groß [Anm: ähnlich wie bei Jeremia]. Lassen wir einmal einige Beispiele auf uns wirken: (…)

Belassen wir es bei diesen Beispielen. Die Rolle 4Q51 Sam [http://www.emanueltov.info/ 29.12.2018] war eine besondere Entdeckung in Qumran, da sie endgültig zweifelsfrei belegt, dass die LXX nicht etwa eine freie Übersetzung des hebräischen Textes ist, sondern eine genaue Übersetzung einer anderen Vorlage. Auch wenn 4Q51 Sam nicht in allem deckungsgleich mit der LXX ist, sind die Übereinstimmungen doch überzeugend groß.

Die Unterschiede zwischen dem masoretischen Text und der LXX beruhen – erneut – auf einer späteren(!) hebräischen Neufassung. In der Einleitung zu den Samuelbüchern heißt es in der LXX-d:

„Die griechische Übersetzung der Königsbücher [Anm.: vier Stück inkl. Samuel] erfolgte um oder bald nach 200 v.Chr.. Die Übersetzer bemühten sich um eine gute, sachgemäße Übersetzung, die zugleich so weit wie möglich die Ausdrucksweise des hebräischen Textes berücksichtigten. Die hebräische Vorlage dieser ersten Übersetzung der Bücher der Königtümer unterschied sich in manchen Einzelheiten vom später geläufigen hebräisch-masoretischen Text. Diese Gestalt des hebräischen Textes ist aber auch durch die Funde aus Qumran bezeugt, vor allem durch die Handschrift 4Q51 ( = 4QSam) und teilweise durch die Handschrift 4Q53 ( = 4QSam).

Etwa in der Mitte des 2. Jhd. v. Chr. wurde der hebräische Text – wahrscheinlich in Jerusalem – neu bearbeitet. Es entstand eine Art verbesserter zweiter Ausgabe. Diese Textform ist der Vorläufer des sog. masoretischen Textes und wurde im Laufe des 1. Jhd. v.Chr. zur allgemein akzeptierten Gestalt des hebräischen Textes der Samuel- und Königsbücher.“ [Septuaginta Deutsch]

Eine verbesserte Neufassung? Eine verschlimmbesserte(?!) Neufassung, würde ich sagen! Fällt uns bei der Datumsangabe etwas auf? Um die Mitte des zweiten Jahrhunderts, das war mitten in den Makkabäerkriegen! Die Umstände für sorgfältige Arbeit am Text waren schlichtweg nicht gegeben; ich meine, die genannten und weitere Fehler in der masoretischen Fassung sind genau diesen dramatischen Umständen geschuldet.

Es gibt hinreichend Fachliteratur zu diesem Thema, um sich darin zu vertiefen; die wirklich guten Werke sind dabei die wirklich trockenen, wo Buchstabe für Buchstabe verglichen, bewertet und überlegt wird, warum wie welche Lesart zustande gekommen sein könnte. Der jüdische Qumran-Forscher Emmanuel Tov ist gewiss nicht verdächtig für die griechische LXX die Fakten verbiegen zu wollen; seine Arbeiten zu den hebräischen Vorlagen der LXX in Qumran sind bahnbrechend. (…)“

https://www.bod.de/buchshop/das-christliche-alte-testament-alexander-basnar-978375198125

Von: Markus M.
◷ 26 Februar
(vor 1 Jahr)

Was du hier aus Alexander Basnar Buch zitierst ist mir nicht neu. Wenn du "Über mich" gelesen hast, oder meinen Text zum Thema "Kanon, Septuaginta und Inspiration" wüsstest du, dass mir das Thema mehr als bekannt ist. Was er schreibt ist ja auch mein großer Kritikpunkt an der Bibel, da wir heutzutage gar nicht wissen können welcher Text inspiriert sein soll. Wenn der kürzere LXX Jeremia-Text der ältere ist, müsste man demnach auch annehmen, dass dieser eher inspiriert ist, als der längere (jüngere) MT-Text. Dann haben wir aber das Problem, dass wir in der Bibel einen Text haben, der nicht inspiriert ist und der von Schreibern eigenwillig erweitert wurde, d.h. Texte dazugedichtet haben. Die Bibel verliert demnach an Glaubwürdigkeit, da die Texte darin beliebig von Menschen überarbeitet wurden. 

Von: Daniel Nixdorf
◷ 27 Februar
(vor 1 Jahr)

Beide Artikel („Über mich“ & „Kanon, Septuaginta und Inspiration“) hatte ich vor ein oder zwei Jahren gelesen, weswegen mir auch die Sicht und Verwirrung bzgl. Jeremia-Buch bekannt war. Auch deswegen machte es ja Sinn diesen Auszug bzgl. der LXX hier anzubringen, da neben den Königsbüchern auch speziell das Jeremia-Buch hier thematisiert wird (bei beiden sind die Differenzen besonders ausgeprägt zwischen MT & LXX) und dargelegt wird, dass vermutlich ein gemeinsamer fehlerloser Urtext bestanden hatte, von dem die Septuaginta-Varianten abstammen (deswegen in dem Fall ohne Fehler), während im masoretischen Text Verfälschungen entstanden sind - und zwar i.d.R. mehr und eben speziell wie hier in den Königsbüchern, die man zur chaotischen Zeit der Makkabäer-Aufstände überarbeitete.

Wie das zustanden kam („Überarbeitung“ während der Makkabäerkriege) wird ja oben in dem Auszug kurz angerissen, für weitere Darlegungen was beim Masoretischen Text im Lauf der Zeit dann später schiefgegangen sein könnte, findet man diese ausführlicher im Buch erwähnt. Auch aus dem (nicht zufällig auf griechisch verfassten) Neuen Testament wird ja deutlich, dass die wahren Nachfahren Abrahams geistig auf die Gemeinde übergegangen sind und auch die Schrifthoheit nicht mehr bei den Hebräern liegt seit dieser Zeit. Leider hat die Reformation das bei ihren Bibelübersetzungen & -zusammenstellungen in diverse moderne Sprachen aber bzgl. des Alten Testaments ignoriert und nahezu ausschließlich auf den Masoretischen Text gesetzt und die Septuaginta und Forschung diesbzgl. bis heute eher stiefmütterlich behandelt – immerhin bspw. die LXX.D aber auch in deutscher Fassung erhältlich seit ein paar Jahren.

Man kann das aus bibelkritischer Sicht so auslegen, als würde das die Glaubwürdigkeit der Bibel herabsetzen und auf den ersten Blick mag das auch so sein. Aber wenn man etwas genauer hinschaut betrifft das nicht so viele Stellen im Vergleich zur Bibel als Gesamtwerk und Anzahl sowie Kohärenz der Text- und Schriftzeugen. Außerdem bleiben die Kernaussagen der Schrift erhalten und geht um Details hier und da. Sicherlich ärgerlich für Puristen und ein gefundenes Fressen für Bibelkritiker. Aber wenn man nicht gerade zum Lager der extrem auf komplette Schriftfehlerlosigkeit ausgerichteten Ausleger gehört, die wohl besonders im evangelikalen Bereich über die letzten Jahrhunderte aufgrund der Schriftzentriertheit im Protestantismus entstanden sind, ist das m.E. verschmerzbar.

Irgendwann erkennt man dann auch, genau wie die Schrift es selbst ja aussagt, warum diese Welt mit Verfall, Krankheit, Tod belastet ist und wie auch das Volk Gottes, seine Tempel und ja, auch seine Schrift davon betroffen sind. Es findet sich in der Bibel nichts, was dem widerspräche und eine völlig feherlose Übertragung einfordern würde - auch wird klar, dass diese nicht von Gott selbst geschrieben, sondern durch den Geist an (durchaus fehlerhafte) Menschen übergeben („inspieriert") wurde. D.h. Übertragungsfehler im Lauf der Zeit sind kein innerer Widerspruch der Bibel - zumindest wenn es sich um Details handelt. Wichtig ist, dass der Kern der Botschaft immer da war, weil das auch so prophezeit wurde (Missionsauftrag etc.). Und ist zum überwiegenden Großteil heute mit/trotz zig Übersetzungen usw. auch der Fall. Bei den Details die verloren gingen oder verdunkelt wurden ist es für mich persönlich sogar so geworden, dass die Geschichte dahinter – auch bzgl. bspw. der ganzen Kultur(en), Völker drum herum inkl. Dingen wie den Dingen die nach dem Exil aus Babylon kamen oder der intertestamentarischen, im Spätjudentum wohl populären Henoch-Literatur – umso faszinierender und geheimnisvoller geworden ist. Und noch mehr einlädt und neugierig macht herauszufinden, wie und warum. Ein einmalig fester, fixer fehlerloser Text ohne Makel hätte diesen Geschichtsbezug nicht, er wäre nicht so "lebendig" wie die immer wieder dynamisch weitergegebene Helilige Schrift inkl. auch ihrer kleinen Macken hier und da. Und auch bzgl. des Gottesbildes mag man das als „Kratzer im Lack“ ansehen, aber doch wenn nur oberflächlich erschüttert falls man auf eine hundertprozentige klare Linie fixiert ist. Im Kern bei genauerem Hinsehen kann man auch gut der Auffassung sein, dass es die Dinge „zwischen Himmel & Erde" eher spannender, mysteriöser und letztlich auch irgendwie „realer“ macht.

Von: Markus M.
◷ 27 Februar
(vor 1 Jahr)

Dass ein gemeinsamer fehlerloser Urtext bestanden hat ist lediglich eine Annahme. Was wir haben sind Abschriften und darin sehen wie Fehler und Veränderungen.

Die Frage ist, warum beim MT so viel schief gegangen sein soll, wenn doch immer behauptet wird, dass die Bibel so gut abgeschrieben/kopiert wurde. Außerdem ist es fraglich, wie beim Anschreiben 1/7 des Textes dazukommen kann.

Von Inspiration eines Textes sieht man hier nichts. Was ist das für ein Gott, der für sein wichtigstes Wort eine Sprache ohne Vokale verwendet, dann die Sprache wechselt und dann nicht dafür sorgt, dass sein Wort korrekt weitergegeben wird. Wenn z.B. im Jeremia-Buch der LXX-Text der authentischere ist, warum lesen Christen dann seit 1600 Jahren den falschen Text? 
Was du hier anscheinend übersiehst ist, dass Hieronymus bei der Vulgata auch auf den MT zurückgegriffen hat und nicht auf die LXX. Es war also nicht erst Luther mit der Reformation, sondern auch die Katholische Kirche im 4. Jhdt., welche bereits den MT verwendete.

Was soll das heißen es "betrifft nicht so viele Stellen"? Wir wissen ja gar nicht, wie viele Stellen es sind. Schaut man sich aber die LXX-Rezensionen (Überarbeitungen) an und die Funde aus Qumran, dann sieht man aber, dass es wohl nicht wenige sind. Außerdem stellt sich dann ja uch die Frage, was mit den Apokyphen ist, die man in der LXX findet. Sind die inspiriert oder nicht, gehören die dazu oder nicht?

Wenn du schreibst "auch wird klar, dass diese nicht von Gott selbst geschrieben, sondern durch den Geist an (durchaus fehlerhafte) Menschen übergeben („inspieriert") wurde.". Woran machst du das fest, dass hier der Geist Gottes im Spiel war? Bei dem Text den wir haben könnte man auch sagen "auch wird klar, dass fehlerhafte Menschen ihre antike Sichtweise aufgeschrieben haben". Wenn die Bibel schon am Anfang Märchen erzählt wie z.B. über die Entstehung der Menschen und Tiere oder die Sintflut, warum sollte man dann glauben, dass die restlichen Geschichten wahr sind?

Der Kern der Botschaft (Gottes Heilsplan mit den Menschen) unterscheidet sich stark im NT vom AT, aber das wäre ein eigenes Thema.

Von: Daniel Nixdorf
◷ 28 Februar
(vor 1 Jahr)

Sicher wäre die Annahme eines (zumindest nahezu) fehlerlosen Ur-Textes eine der innerbiblischen Logik folgende Annahme, die so nicht bewiesen ist. Wobei aber selbst hier irgendwelche kleinen Buchstabendreher in irgendeiner ursprünglichen Niederschrift oder Abschrift davon zumindest m.E. nicht das große Problem wären. Das ist eher eine Frage des Gottesbildes und ob man da „Kratzer im Lack“ erwarten darf oder nicht. Bloß wenn man bspw. sieht, dass die Bundeslade als Gottes Wohnung viel kleiner war als Davids Haus – oder der Tempel inkl. Allerheiligstem in Jerusalem viel kleiner als Salomos Palast, dann kann man schon Rückschlüsse auf das Gottesbild ziehen oder zumindest nahelegen, dass perfekte Außendarstellung wohl nicht unbedingt die höchste Bedeutung hat. Und da eben der innerbiblischen Erzählung nach die Texttafeln nicht vom Himmel fielen oder wie bei anderen nahöstlichen Religionen quasi direkt vom Himmel selbst geschrieben wurden, ist man da vom Grundprinzip her nicht so auf Punkt und Komma festgelegt.

Sondern von einfachen, fehlerhaften aber eben inspirierten Menschen, die ihre Augenzeugenberichte selbst aufschrieben oder aufschreiben ließen. Das weitergegeben und kopiert von Generation zu Generation inkl. menschlichen Fehlern. Insofern ist das Gottesbild der Bibel einfach viel bunter und offener, wie auch das ganze Bibel-Mosaik (Bibel im Sinne von „Buch der vielen, verschiedenen Bücher von vielen Autoren über viele Zeiten hinweg etc.“). Und generell der moderne Mensch immer nach Perfektion und Fehlerlosigkeit und Vereinheitlichung schreit, während der antike Mensch sich mit viel (teils scheinbar) widersprüchlicheren Dingen und Erklärmustern zufrieden gab. Und sich in Antike und teils bis ins Mittelalter noch mit teils widersprüchlichen Dingen zufriedengab und im Gegenteil an ihren Geheimnissen, Mysterien & Wundern erfreuen und bereichern konnte (siehe bspw. das Geheimnis der 4 Evangelien). Auf die Idee alles auseinanderzunehmen und kleinteilig möglichst vereinheitlicht erklären und erfassen zu können, geschweige denn es alles besser zu wissen und kontrollieren und verändern zu wollen, wäre wahrscheinlich kaum einer gekommen. Man siehe nur das bunte Geschehen des alten Heidentums in der Antike. Und wie sich das jüdisch-christliche dann kulturell und religiös einfügt, teils überwindet und abreißt, aber auch teils anknüpft. Auch wenn man meint alle Übel der Welt darin suchen zu müssen und alle angebliche Engstirnigkeit im Christentum (auch wie es bspw. manche Protestanten teils wohl zu Unrecht gegenüber der Mittelalter-Kirche gemacht haben) muss damals noch lange nicht wirklich alles schlechter gewesen sein als heute. Vieles wahrscheinlich schon, aber manches ging auch verloren inkl. viel von dem Verständnis für die Jahrtausende davor. Das macht's natürlich nicht einfacher und schon nachvollziehbar, warum man da als moderner Mensch den Faden verloren hat zur Schrift und Glauben an den Gott der Bibel.

Aber angenommen der Text war ursprünglich wirklich makellos – laut innerbiblischem Bericht ging bspw. der Großteil bei Verschleppung der 10 Stämme durch die Assyrer und babylonischem Exil des Südreichs verloren. Esra musste die Schriften wiederherstellen usw. (teils aus dem Gedächtnis und mündlicher Überlieferung) … dann die Zeit der Makkabäer … die Hellenisierung und die Römerzeit. 70. n.Chr. die Zerstörung Jerusalems und des Tempels durch die Römer usw. … und im christlichen Kontext dazwischen noch die Verwerfung des Messias. Das in dem extrem schwierigen chaotischen Umfeld die Textqualität insbesondere des Masoretischen Textes problematisch war ist kein Wunder. Das auch in den diversen innerjüdischen Schulen (Pharisäer, Sadduzäer, Essener) nicht nur jeder sowohl den Christen als auch anderen Gruppierungen im Judentum (von den Samariern mit ihrer Gegenreligion und Pentateuch bis hin zu vielen Exil-Juden oder Judenchristen im ganzen Mittelmeerraum) gut gesonnen war, steht wohl auch außer Frage und das man dann hier und da versucht hat Texte etwas umzugestalten (ggf. auch mal was hinzuzufügen oder wegzulassen) ist nicht unwahrscheinlich. Ähnliche Mechanismen dürften sich teilweise in der späteren Kirchengeschichte auch wieder finden.

Und ob Vokale oder nicht oder Punkte oben drüber ist doch für den Kern der Glaubensaussagen sekundär, sonst hätte das Christentum und insbesondere die Bibel nicht bis heute überdauert und würde viele Menschen überzeugen. Gerade durch den Wechsel auf das Griechische, damals im Mittelmeerraum verbreitet durch die Hellenisierung unter Griechen & Römern, ging das Samenkorn auf und wie schon vor der Flut bei Noah, Henoch oder Adam wurde der Fokus wieder erweitert vom kleinen Israel auf die ganze Menschheit. Das wird im Neuen Testament unter anderem von Paulus deutlich ausgeführt (bspw. im Römerbrief) und macht ja deutlich wie die Kontinuität von Altem und Neuem Testament (inkl. des Heilsplans Gottes mit der Menschheit) zu verstehen ist.

Das auch da in dem Prozess von Werden und Verfall und dieser – laut innerbiblischer Aussage – gefallenen Welt, die mit Vergänglichkeit und vielen Übeln zu kämpfen hat – nicht jedes Wort zu 100% genau übertragen wurde, leuchtet ein. Aber im Vergleich zur Menge der Schriften und insgesamt bei der Länge der Zeiträume doch sehr niedrige Fehlerquoten und hohe Überlieferungsqualität. Denke das ist unter Textforschern auch weitgehend Konsens und niemand behauptet, die moderne Bibel würde sich grundlegend oder wesentlich von ursprünglichen Texten entfernt haben. Siehe dazu auch die Quram-Funde, die ja genau das bestätigt haben, wo viele ca. 2000 Jahre alte Schriftrollen gefunden wurden, die – so weit mittlerweile rekonstruiert – weitgehend den modernen Abschriften gleichen (Texte des Alten Testaments wie auch diverse andere Schriften inkl. 1. Henoch oder Gigantenbuch): https://de.wikipedia.org/wiki/Schriftrollen_vom_Toten_Meer

Von: Markus M.
◷ 2 März
(vor 1 Jahr)

Hier geht es aber nicht nur um "irgendwelche kleinen Buchstabendreher" 1/7 eines Textes sind bedeutsam und sprechen nicht für eine hohe Überlieferungsqualität.

Was für einen Sinn soll das haben, dass Gott für einen makellosen Text sorgt, der für ein paar Jahrhunderte besteht und dann verschwindet und dann kann sich niemand mehr an den genauen Text erinnern und es müssen neue Rollen aus einem fehlerhaften Gedächtnis wiederhergestellt werden. Welcher Gott würde so etwas zulassen? Es wäre für ihn doch eine Kleinigkeit auch dafür zu sorgen, dass der Text makellos überliefert wird.

Da wird aber keinen makellosen Text haben, sondern eine Vielzahl von unterschiedlichen Handschriften, zeigt das meiner Meinung nach ziemlich deutlich, dass hier kein Gott im Spiel war.

Tatsache ist auch, dass die Behauptung Jesus sei der Messias die Juden, die das AT kannten, nicht überzeugt hat. Griechen und Heiden hingegen, mit ihrem Polytheismus, für die ein Götter-Söhn mehr oder weniger keine Rolle spielt, die konnten leicht überzeugt werden, und Kaiser Konstantin hat dann für genügen Verbreitung gesorgt.

Deine Behauptung über die Qumran-Funde kann ich nicht teilen. So schreibt auch Alexander Achilles Fischer in seinem Standardwerk „Der Text des Alten Testaments“ zutreffend:

Noch heute kann man in allgemeinen Darstellungen lesen, dass die Qumran-Funde die genaue Überlieferung des Bibeltextes glänzend bestätigt haben. Das Urteil ist in dieser Verallgemeinerung nicht zutreffend, und zwar aus zwei Gründen: Zum einen wurde nicht der Bibeltext bestätigt, sondern die masoretische Texttradition und damit nur ein Hauptstrom der Textüberlieferung. Zum anderen gilt dies nur für knapp die Hälfte der Bibelhandschriften von Qumran. Andere bezeugen Lesarten, die vom Masoretentext deutlich abweichen, und wieder andere bieten Lesarten, die bislang unbekannt gewesen sind.“

Von: Daniel Nixdorf
◷ 2 März
(vor 1 Jahr)

Bzgl. dem fehlenden Siebtel bei Jeremia in der Septuaginta, habe ich mich mit den Unterschieden in dem Buch (zumindest noch) nicht speziell beschäftigt. Vermute aber mal die kürzere LXX-Fassung enthält auch zumindest die wesentlichen Botschaften und klar, ob man den Rest dann als Details einordnet und interpretiert, liegt im Auge des Betrachters. Aber was ich zum Vergleich bis jetzt bzgl. Unterschieden in den Samuel- & Königsbüchern gesehen habe, finde ich persönlich nicht so gravierend. Oder die Stelle in Josua 8,12 vorhin – ebenso bspw. den Zusatz „in Kanaan“ in den Mose-Büchern, der den Aufenthalt der Israeliten von 430 Jahren im Gegensatz zum Masoretischen Text nicht nur auf Ägypten sondern auch vorher schon in Kanaan mit einbezieht. Jedenfalls ist es doch als Christ umso schöner auch noch die Texttradition der LXX zu haben, die wohl auch in den Zitaten der alttestamentarischen Verse größtenteils im Neuen Testament verwendet wurde. Und wohl ohnehin die bevorzugte „Bibel“ der Heidenchristen im Ur-Christentum war. Wenn nicht gar sogar die primäre Quelle im damaligen hellenisierten Judentum für etliche „globalisierte“ Leute wie Paulus & Co. Wer da mehr Interesse hat und nochmal genauer reinschauen möchte, dem sei noch mal das Buch über die Septuaginta von Herrn Basnar ans Herz gelegt: „Das christliche Alte Testament – Die Septuaginta: Wiederentdeckung eines verlorenen Schatzes“: https://www.bod.de/buchshop/das-christliche-alte-testament-alexander-basnar-9783751981255

Letztlich wie gesagt auch eine Frage des Gottesbildes, ob und in wie weit man sich an so was stört. Andere Religionen mögen da stringentere angeblich makellose Gottheiten und Schriften bieten – das Christentum legt da offensichtlich einen anderen Schwerpunkt und wenn man sieht, wie bspw. die Propheten auftraten oder Christus niedrig auftrat und als Wanderprediger auf einem Esel reitend etc … perfekte Außendarstellung scheint wohl nicht ganz oben auf der Liste gestanden zu haben. Wie es schon in Jesaja 45,15 heißt: „Fürwahr, du bist ein Gott, der sich verborgen hält, du Gott Israels, du Erretter!“ und speziell das Buch hat man ja von der Bibelkritik her (auch aus dem Christentum selbst heraus) auch nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen.

Trotzdem ist es beeindruckend auf Bibelausstellungen (https://www.bibelausstellung.de/home/bibel_ausstellung_online.php) die große Jesajarolle zu sehen und damit einen Text, der wohl bspw. weitgehend in Qumran bestätigt wurde (https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Jesajarolle). Vielleicht nicht alles aus dem Kanon, aber jedenfalls reichen doch die Funde um die Kritiker leiser werden zu lassen, dass die Bibel bspw. eine Erfindung der Mittelalterkirche sei oder komplett verfälscht im Vergleich zu früher. Dieser Gott der Bibel mag sich verborgen halten und wahrlich wundersame Wege gehen, die für Menschen manchmal oder oft nicht leicht zu verstehen sind, aber das die Schriftgeschichte teils dem irdischen Verfall und der menschlichen Weitergabe über die Generationen hinweg unterlag, ist kein innerer biblischer Widerspruch und war/ist auch kein Hinderungsgrund für viele Menschen an den Gott der Bibel zu glauben.

Man findet in Qumran ja ein buntes Sammelsurium aus der damaligen Zeit – bspw. neben speziellen jüdischen Sachen wie der Kriegsrolle auch die damals populäre intertestamentarische Henoch-Literatur und natürlich auch vieles aus dem Masoretischen Text. Vielleicht nicht komplett und z.T. auch schon in einigen Versen korrumpiert durch die Bearbeitungen vorher (u.a. während der Makkabäerzeit etc.) und man kann sich streiten wie viel das betrifft. Für mich und viele andere Christen reicht es aus und man ist froh die Qumran-Funde überhaupt zu haben, wobei da auch nicht klar ist ob man alle Höhlen und alle Texte gefunden hat, was vielleicht verwittert ist und was gar nicht mehr auswertbar war. Wer weiß, vielleicht kommen da auch noch Funde dazu im Lauf der Zeit.

Ansonsten denke ich es führt jetzt hier thematisch zu weit vom Ursprungsthema ab, die Messianität des Herrn Jesus Christus ausführlich zu diskutieren. Nur kurz: den stringenten Beweis sowohl für Juden als auch Heiden gibt es zwar nicht, aber das Schöne ist aus christlicher Sicht, dass es trotzdem genügend Leute gibt, die es immer wieder überzeugt hat – und das nicht nur wegen der Geschichte von Dienst, Leid, Tod, Auferstehung, Gnade & Errettung sondern weil sie es persönlich in ihren Leben erfahren haben und quasi von Gott individuell „bewiesen“ bekommen haben. Sowohl das Leben mit dem Heiligen Geist und dessen Früchte, als auch ihren (persönlichen) Erretter kennenzulernen. Die Errettung der ganzen Welt & Schöpfung, an die ja viele Kulturen auch damals schon glaubten, mag in vielem noch ausstehen, aber prophetisch ja Gott sei Dank unausweichlich & unaufhaltsam. Siehe bspw. literarisch ganz deutlich geworden schon spätestens ab der intertestamentarischen Zeit: „Universal-Lexikon: Apokalypse – Daniel und Henoch“: https://universal_lexikon.de-academic.com/206954/Apokalypse%3A_Daniel_und_Henoch

Dann aufgegriffen in den Briefen von Paulus, Petrus, Johannes und der Offenbarung, wo dann auch wieder Genesis & Exodus zentrale Themen sind und der Kreis sich schließt ganz zum Anfang. Die Juden (oder generell Israeliten) haben das zwar leider zum Großteil nicht erkannt und Paulus schreibt ja u.a. im Römerbrief ausführlich zu dem Thema und wie das einzuschätzen ist (https://www.schlachterbibel.de/de/bibel/roemer/11/) oder speziell im Hebräerbrief ausgeführt, wie das NT trotzdem an das AT anknüpft (https://www.schlachterbibel.de/de/bibel/hebraeer/). 

Für die Heiden ( = Menschen aus anderen Völkern) damals mag es zwar auch Anknüpfungspunkte gegeben haben, was ja auch schlüssig ist, da laut Bibel die Heidenkulturen ja auch von der alten Patriarchen-Linie von Adam über Henoch bis Noah abstammen, aber trotzdem gibt es schon auch große Unterschiede zwischen dem Auftreten von Christi im Gegensatz zum damaligen bunten Sammelsurium an Heidengöttern und ihren Halbgötter-Söhnen. U.a. dazu abschließend noch ein Auszug aus der Wuppertaler Studienbibel – freilich alles Glaubenssachen, die sich aber für viele immer wieder ganz real manifestiert haben und die Hoffnung an den biblischen Gott und seinen zu den Menschen gesandten Erlöser so von Generation zu Generation weitergelebt hat bis heute:

Der Sohn Gottes wurde durch seine Geburt als „Davidssohn“ in dieses schwache, vergängliche Menschentum mit hineingestellt, wirklich ganz Mensch [w. Fleisch“] unter Menschen. Er war also gerade nicht(!) einer der „Heroen“ und „Halbgötter“ und „Göttersöhne“, von denen die Zeit und [antike] Umwelt des Paulus so viel zu erzählen wußte. [Zum Vergleich 1. Mose/ Genesis 6,4: „In jenen Tagen [vor der Sintflut] waren die Riesen [hebr. „nephilim“ = »Die Gefallenen« oder auch »Fehlgeburten / Mißgeburten«] auf der Erde, und auch später noch, solange die Gottessöhne zu den Töchtern der Menschen kamen und diese ihnen [Kinder] gebaren. Das sind die Helden, die von jeher berühmte Männer gewesen sind [vgl. 1. Henoch & Gigantenbuch]. [LXX.D: „Die Giganten [griech. Γίγαντες Gígantes bed. „Erdgeborene/ Riesen“] aber waren auf der Erde in jenen Tagen und danach, als die Söhne Gottes (Variante A: „Engelsöhne“; Variante B: „Söhne Seths“; Variante C: „Fürstensöhne“) immer zu den Töchtern der Menschen hineingingen und für sich selbst (Nachkommen) zeugten. Jene waren die urzeitlichen Giganten, die berühmten Menschen“]].

Aber dann wurde er „eingesetzt zum Sohn in Kraft nach dem Geist der Heiligkeit auf Grund der Totenauferstehung“. „Der Geist ist’s, der da lebendig macht, das Fleisch ist nichts nütze“, so hat es Jesus selber gesagt (Johannes 6,63), „Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht ererben“ (1. Korinther 15,50). Darum geschieht an dem Sohn Gottes, dem Haupt der neuen Menschheit (wie Paulus in Römer Kapitel 5 noch näher ausführen wird!) das ungeheuere Ereignis der „Totenauferstehung“. Nun erlangt der Gottessohn mitsamt seinem Menschentum die neue göttliche Existenzweise „nach dem Geist der Heiligkeit“ und wird dadurch „der Sohn Gottes in Kraft“ und „unser Herr“.  Diese Tatsachen, die man nicht erdenken, aber ebenso wenig beseitigen kann, stellt das Evangelium vor uns hin.

Man darf festhalten wollen, dass hier eine ältere, palästinensische Christologie zumindestens durchblickte. Paulus habe sich den Römern gegenüber dieser Christologie bedient, da sie den Römern von der Entstehung ihrer Gemeinde her vertraut war. Er habe auch dadurch zeigen wollen, daß er nicht der eigenmächtige Neuerer sei, als den man ihn verdächtige. Nun ist es selbstverständlich so, daß die „Christologie“, also die in feste Sätze und Begriffe gefasste Lehre von Christus, nicht von Anfang an fertig da war. Jesus selbst mit all seiner Herrlichkeit und mit seinem ganzen Heil war immer vollständig da. Aber wenn wir die ersten Zeugnisse der Boten Jesu in der Apostelgeschichte betrachten, so sehen wir, wie sie von Jesus zunächst ganz einfach als von dem „Knecht Gottes“ reden [dabei wird freilich nicht das Wort „doulus“ = „Sklave, Knecht“ gebraucht, sondern das Wort „pais“, das auch mit „Kind, Sohn“ übersetzt werden kann]. Von der ewigen Sohnschaft Jesu, von seiner Präexistenz bei Gott wird dort nichts gesagt. Es mag sich mancher in der palästinensischen Urgemeinde die Sache so vorgestellt haben, daß der Mensch Jesu, der treue Knecht Gottes, erst durch seine Auferweckung zum „Sohn Gottes“ geworden sei. Aber in dem, was Paulus hier im Eingang des Römerbriefs schreibt, liegt von dieser Vorstellung nichts. Jesus wird sofort grundlegend „der Sohn Gottes“ genannt. Der Satz des Paulus sagt nicht: ein bloßer schwacher Mensch wurde durch Ostern zur Gottessohnschaft erhoben, sondern: in der Geschichte des Sohnes Gottes gab es eine Zeit, da war er „Sohn Gottes in Schwachheit“ (um ganz unser Bruder zu sein und für uns zu leiden und zu sterben), dann aber wurde er durch Ostern „Sohn Gottes in Kraft“. Das aber ist nichts als Wiedergabe der Tatsachen, wie sie als Grundlage jeder Christologie geschichtlich dastehen und wie sie darum von Paulus auch in seinen eigenen Gemeinden genauso bezeugt worden sind. Vergleichen wir nur etwa 2. Korinther 13,4: „Und ob er wohl gekreuzigt ist in der Schwachheit, so lebt er doch in der Kraft Gottes“. Das ist die gleiche Aussage wie in unserem Text im Römerbrief.

„Der Brief des Paulus an die Römer“, Werner de Boor, Wuppertaler Studienbibel, Evangelische Haupt-Bibelgesellschaft zu Berlin (mit freundlicher Genehmigung des R. Brockhaus-Verlages Wuppertal für das Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik), Volksdruckerei Zwickau, 1976: https://de.wikipedia.org/wiki/Wuppertaler_Studienbibe