Wann war das letzte Abendmahl und wann starb Jesus? (Johannes 19,14)

Der Abend vor der Kreuzigung und die Hinrichtung selbst wird in allen vier Evangelien überliefert. Jedoch weicht das Johannesevangelium deutlich von den anderen Synoptikern (Matthäus, Markus, Lukas) ab. Besonders eindrücklich wird das, wenn man sich auch anschaut, wann das letzte Abendmahl gefeiert wurde.

Johannes Bericht über das letzte Mahl findet man in Kapitel 13. Das Essen (gr. δείπνου) beginnt mit der Fußwaschung, danach folgt die Bezeichnung von Judas Iskariot als Verräter. Jesus gibt ihm einen Bissen Brot, der Satan fährt in Judas (V. 27) und Judas verlässt das Abendessen bei Nacht (V.30).

Interessant hier ist, dass die restlichen Jünger glaubten Judas verlässt das Abendessen, um etwas für das Passafest zu kaufen (V.29). D.h. das Passafest und das Passamahl liegen noch in der Zukunft. Nach einer längeren Ansprache (Kap. 14-17) machen sich Jesus und die elf Jünger auf zum Garten Gethsemane (Kap. 18,1) wo sie wieder auf Judas stoßen. Jesus wird gefangengenommen und zum Verhör gebracht. Zuerst zum Hohepriester Hannas und dann frühmorgens (V. 28) zu Kaiphas und weiter zu Pilatus. Auch hier finden wir wieder eine interessante Anmerkung. „Und sie (die Juden) gingen nicht hinein in das Prätorium, damit sie sich nicht verunreinigten, sondern das Passamahl essen konnten“ (Joh. 18,28b). Wieder sehen wir, dass das Passa (also die Schlachtung des Lammes) noch in der Zukunft liegt.

Welcher Tag war es nun also, als Jesus vor Pilatus erschien? Die Antwort findet man in Kap. 19,14: „Es war aber Rüsttag des Passah; es war um die sechste Stunde“. Der Rüsttag ist normalerweise der Tag vor dem Sabbat. So auch hier, aber zusätzlich war es auch der Rüsttag des Passa, also der Tag an dem das Passalamm geschlachtet wurde, der 14. Nisan. Strack & Billerbeck schreiben dazu: „Der entsprechende hebräische Terminus ist עֶרֶב פֶּסַח; er bedeutet ‚Vortag oder Rüsttag auf das Passahfest‘ u. bezeichnet als Monatsdatum gebraucht den 14. Nisan. Die Bedeutung dieses Terminus ist so feststehend, daß irgendeine Ausnahme geradezu undenkbar erscheint. Wie wir unter ‚Weihnachtsheiligabend‘ nur den 24. Dezember verstehen, so hat ein Jude unter ערב פסח nie etwas andres als den 14. Nisan verstanden.“ Da der Sabbat direkt auf das Passa folgte steht in Joh. 19,31 steht: „denn der Tag jenes Sabbats war groß“.

Was genau mit sechster Stunde gemeint ist, ist nicht eindeutig. Man könnte von Mitternacht wegrechnen, dann wäre es um ca. 6 Uhr in der Früh (Joh. 18,28 würde dazu passen) oder man könnte von Sonnenaufgang wegrechnen, dann wäre es ca. 12 Uhr mittags (Joh. 4,6 würde dazu passen). Aber egal welche Uhrzeit es war, es war jedenfalls der Tag vor(!) dem Sabbat. Dies bestätigt auch nochmals Joh. 19,31 und 42: „Die Juden nun baten den Pilatus, damit die Leiber nicht am Sabbat am Kreuz blieben, weil es Rüsttag war“.

Datum der Kreuzigung Jesu nach Johannes

Johannes der Jesus als Lamm Gottes sieht (Joh. 1,29.36), sieht Jesus auch hier als das Passalamm, welches geschlachtet wird (Joh. 19,36).

Betrachtet man nun die Synoptiker (Matthäus, Markus, Lukas) merkt man auffällige Unterschiede.

Laut Matthäus handelt es sich beim letzten Essen eindeutig um das Passamahl (Mt. 26,17-18). Bei diesem Mahl findet die Bezeichnung von Judas Iskariot als Verräter statt (vgl. Mt. 26,21 mit Joh. 13,21) und die Ankündigung der Verleugnung durch Petrus (vgl. Mt. 26,34 mit Joh. 13,38).

Als Jesus im Garten Gethsemane gefangen genommen wird, wird er direkt zu Kaiphas geführt, im Gegensatz zur Darstellung bei Johannes, wo er zuerst zu Hannas gebracht wird. Später wird er zu Pilatus gebracht, welchem „er auch nicht auf ein einziges Wort antwortete“ (Mt. 27,14), im Gegensatz zu Joh. 18,33-38 wo Jesus mit Pilatus sehr wohl plaudert. Die Geißelung und Demütigung Jesu mit Dornenkrone und roten Mantel findet bei Matthäus am Ende der Verhandlung statt (Mt. 27,26ff), also als Jesus bereits das Todesurteil erhalten hat. Bei Johannes hingegen findet es mitten in der Verhandlung statt (Joh. 19,1ff). Pilatus präsentiert dem Volk den gegeißelten Jesus und erhofft sich dadurch, dass sie sich damit begnügen. Das Volk aber schreit weiterhin, dass er sterben muss (Joh. 19,5-15). Die Präsentation Jesus und die weitere Forderung der Juden, dass Jesus unbedingt nach ihrem Gesetz gekreuzigt werden muss, würde keinen Sinn machen, wenn Jesus bereits verurteilt wäre (so wie es Matthäus beschreibt).

Nach Matthäus wird Jesus gekreuzigt, hängt zwischen der sechsten und neunten Stunde am Kreuz und stirbt um die neunte Stunde (Mt. 27,46). Wohingegen er bei Johannes noch um die 6. Stunde bei der Verhandlung bei Pilatus war.

Bei Markus bekommt man folgende Darstellung:

Das Passa wird, wie bei Matthäus (Mt. 26,17), am ersten Tag des Festes der ungesäuerten Brote geschlachtet: „Und am ersten Tag des Festes der ungesäuerten Brote, als man das Passahlamm schlachtete, sagen seine Jünger zu ihm: Wohin willst du, dass wir gehen und bereiten, damit du das Passahmahl essen kannst?“ (Mk. 14,12). Dies war der 14. Nisan (vgl. 3. Mo. 23,5; 5. Mo. 16,4-6; 2. Chr. 35,1). Sie bereiten das Passa vor (schlachten, ausnehmen und zubereiten des Passalammes) und essen es am Abend, also nach jüdischer Zeitrechnung am 15. Nisan. Bezeichnung des Verräters und Ankündigung der Verleugnung findet wie bei Matthäus statt, ebenso die Gefangennahme und das Verhör. Beim Gang zum Kreuz findet man noch eine interessante Bemerkung. Simon von Kyrene kommt vom Feld (Mk. 15,21), also von der Arbeit. Demnach war der 15. Nisan ein normaler Arbeitstag (nämlich der Rüsttag). Man erhält noch das Detail, dass Jesus um die 3. Stunde gekreuzigt wurde (V. 25), also höchstwahrscheinlich am Vormittag.

Am Abend (spät am Nachmittag), es ist noch immer Rüsttag (V. 42), bat Josef von Arimathäa um den Leichnam Jesu. Dass der Sabbat noch nicht angebrochen war, zeigt die Tatsache, dass er noch feines Leinentuch kaufen konnte (V. 46). Demnach muss dann der darauffolgende Tag, der 16. Nisan, ein Sabbat gewesen sein und der 17. Nisan der Tag der Auferstehung (Mk. 16,1).

Die Darstellung der Synoptiker, vor allem bei Markus, sieht so aus:

Datum der Kreuzigung Jesu nach den Synoptikern

Bei Lukas wird ebenfalls gesagt, dass es sich bei dem Abendmahl um das Passamahl handelte: „Mit Sehnsucht habe ich mich gesehnt, dieses Passahmahl mit euch zu essen, ehe ich leide.“ (Lk. 22,15). Gefangennahme und die Verleugnung durch Petrus werden ähnlich beschrieben wie bei Matthäus und Markus. Bei Lukas wird Jesus dann aber in der früh (als es Tag wurde) in den Hohen Rat gebracht (Lk. 22,66). Dies geschieht bei Markus (Mk. 14,55ff) und bei Matthäus (Mt. 26,59) jedoch bereits in der Nacht und nicht am Tag, was einen weiterer Wiederspruch darstellt. Bei Lukas taucht auch noch Herodes auf, welcher ihm ein glänzendes Gewand umhängt und ihn wieder zurück zu Pilatus schickt. Das glänzende Gewand und der Besuch bei Herodes erwähnen die anderen Evangelisten nicht.

Wenn man davon ausgeht, dass Gottes Geist die Bibel inspiriert hat (was auch immer das zu bedeuten hat), kann man sich hier die Frage stellen, warum dann so viele Unterschiede und Ungereimtheiten in den Evangelien auftreten und warum der Heilige Geist es hier nicht schafft einen einheitlichen Bericht zu liefern. Dass gerade die Stellen um die Kreuzigung Jesu enorme zeitliche Unterschiede aufweisen, die nicht zu harmonisieren sind gibt auch Gerhard Maier zu: Matthäus 26Vers 17 bringt uns sofort in die Datierungsproblematik: Aber am ersten Tag der Ungesäuerten Brote … Das griech. τῇ πρώτῃ [tē prōtē] muss ergänzt werden durch ἡμέρᾳ [hēmera]. Aber welcher Tag ist nun genau gemeint? Die Berichte der Synoptiker und des Johannes lassen sich nicht ohne Weiteres vereinigen. Wurde Jesus am Tag der Opferung der Passalämmer getötet? Dann kann er kein normales Passamahl gehalten haben. Johannes sagt dann auch klipp und klar: „Vor dem Passafest“ (πρὸ τῆς ἑορτῆς τοῦ πάσχα [pro tēs heortēs tou pascha]) habe Jesu letztes Mahl mit den Jüngern stattgefunden (Joh 13,1.29). Oder feierte er mit den anderen Juden das reguläre Passafest? Dann wurde er erst einen Tag nach der Schlachtung der Lämmer und nach dem Passa-Essen gekreuzigt.“ (Maier, G. (2017). Das Evangelium des Matthäus: Kapitel 15–28 (G. Maier, R. Riesner, H.-W. Neudorfer, & E. J. Schnabel, Hrsg.). SCM R. Brockhaus; Brunnen Verlag. S. 520)

Ebenso deutlich sind Strack & Billerbeck: „Zwischen den Synoptikern u. dem vierten Evangelium besteht keine Differenz über den Wochentag des letzten Mahles u. der Kreuzigung Jesu. Sie stimmen darin überein, daß jenes an einem Donnerstag u. diese an einem Freitag stattgefunden hat. Die Differenz liegt in der verschiedenen Datierung dieser beiden Tage. Für die Synoptiker waren jener Donnerstag u. Freitag der 14. u. der 15. Nisan, für Johannes der 13. u. 14. Nisan.“ (Strack, H. L., & Billerbeck, P. (1922–1926). (Bde. 1–3). C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck. S 847)

Weitere Ungereimtheiten bezüglich der Auferstehung siehe: Probleme im synoptischen Auferstehungsbericht Jesu


Johannes 19,14
Es war aber Rüsttag des Passah; es war um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Juden: Siehe, euer König!
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Markus 15,42
Und als es schon Abend geworden, (dieweil es Rüsttag war, welches der Vorsabbath ist)
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« Zerriss der Vorhang im Tempel vor oder nach Jesu Tod?Stephanus und das fiktive Grab Abrahams in Sichem »


Lösungsvorschläge

Von: Yaakov Ben Dovid
◷ 17 April
(vor 2 Monaten)

Torah studieren macht Freude. Dann kommt man auf die Lösung. Nicht so lange aufhalten mit Übersetzungsfehlern, welche auch in Kulturunterschieden gegründet sind.

Wie konnte Jesus einen Tag früher lebend dabei sein? Weil das sog. letzte Abendmahl nicht Seder Pessach war, sondern ein gemütliches privates Abendessen. Dieses hatte Judas verlassen um alles nötige für das Seder Pessach zu besorgen.

Von: Markus M.
◷ 17 April
(vor 2 Monaten)

Wo genau ist der Übersetzungsfehler?

Das Abendmahl bei Johannes muss das Seder Pessach der anderen Evangelisten sein. Oder willst du behaupten, dass der Verrat Judas und Jesu Aussage "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten!" doppelt an zwei Abenden hintereinander stattgefunden hat? Vgl. Joh. 13,21 mit Mk. 14,18

Oder die Ankündigung der Verleugnung von Petrus? Vgl. Joh. 13,38 mit Mk. 14,30. Müsste deiner Meinung nach auch doppelt stattgefunden haben.

Dazu kommt noch, dass Jesus (laut Johannes) nach dem Abendessen in den Garten Getsemani ging und er dort festgenommen wurde (Joh. 18,1ff). Demnach gibt es danach kein weiteres Essen.

Von: Pia
◷ 29 März
(vor 3 Monaten)

Hallo. Ich bin zwar nur ein Bibelleie, jedoch habe ich mir immer die Frage gestellt, wie es sein kann, das Jesus freitags gestorben ist und es heißt "So war der Herr bis zum frühen Sonntag 3 Tage und 3 Nächte im Grab!" Wenn ich 3 Tage von Freitag zähle lande ich auf montags.

Von: Klaus Sydow
◷ 11 Februar
(vor 4 Monaten)

Der Herr Jesus feierte das Passahmahl nach galiläischem Brauch einen Tag vor dem jüdischen Passah, also am Mittwoch, den 13.
Am Donnerstag, als die Passahlämmer geschlachtet wurden, den 14. Nisan, wurde auch der Herr nach der Verurteilung gekreuzigt, des war der grosse Rüsttag, da ein Feiersabbath und der Wochensabbath am 15. und 16. Nissan folgten. So war der Herr bis zum frühen Sonntag 3 Tage und 3 Nächte im Grab! Dies war nur 30 n. Chr. möglich! Die Frauen konnten Samstag abend Salben kaufen, da der Sabbath nach Sonnenuntergang beendet war und die Geschäfte wieder geöffnet waren! So ist alles in Übereinstimmung mit Gottes Wort!

Von: Markus M.
◷ 11 Februar
(vor 4 Monaten)

Das macht keinen Sinn. Jesus ist in Jerusalem und nicht in Galiläa und warum sollte er zu einem anderen Tag das Passahmahl essen, als es im Gesetz vorgeschrieben ist? Das Passalamm musste am 14. Nisan geschlachtet werden. Was ist Ihre Quelle, dass es einen "galiläischem Brauch" gab?

Zu den Frauen lesen Sie bitte Lukas 23,56 "Dann kehrten sie zurück und bereiteten wohlriechende Gewürze und Salben; am Sabbat aber ruhten sie nach dem Gesetz." Hier steht, dass die Frauen vor dem Sabbat die Salben bereiteten und nicht nach dem Sabbat!

Von: Peter Faltermeier
◷ 28 Dezember
(vor 6 Monaten)

Das Alte Testament ist voll von Vorbildern auf unseren Herrn Jesus Christus

Die Opfergabe an Gott (siehe Ex 12,1-13,16) und (Jes 53,7) war nur ein Vorbild von Jesus;

Welcher Tag war es nun also, als Jesus vor Pilatus erschien? Die Antwort findet man in Kap. Joh. 19,14: „Es war aber Rüsttag des Passah; es war um die sechste Stunde“. Der Rüsttag ist normalerweise der Tag vor dem Sabbat. (Freitag)

Besonders auch im Judentum diente es als zum Symbol für den »leidenden Gottesknecht«. Im frühen Christentum war es üblich, Lammfleisch unter den Altar zu legen, das geweiht und schließlich am Auferstehungstag als erste Speise gegessen wurde.

Am Donnerstag (Mk. 14,12 / Chr.35,1). dies war der 14. Nisan  bereiten die Apostel das Passa vor (schlachten das Passalammes) und Asen

Jesus sprach von einer neu eintretenden Zeit, und wie nun das Opfer des Moses und die Bedeutung des Osterlammes werde erfüllt werden; darum aber müsse das Lamm so geschlachtet werden, wie jenes in Ägypten.

Es solle hiermit eine neue Zeit und ein neues Opfer beginnen und bis ans Ende der Welt fortdauern. Jesus selbst sollte am morgigen Tage das Osterlamm sein.

Von: Markus M.
◷ 28 Dezember
(vor 6 Monaten)

Das Alte Testament ist voll von Vorbildern auf unseren Herrn Jesus Christus“ Nein, ist es definitiv nicht. Christen betreiben hier Eisegese statt Exegese und lesen alles Mögliche in das AT hinein, genau wie Sie. Das Passalamm hat nichts mit Sündenvergebung zu tun. Lesen Sie dazu bitte auch: Jesus als unser Opfer? In dem Artikel finden Sie auch Jesaja 53 ausgelegt.

Ich frage mich gerade, ob Sie überhaupt den Artikel oben korrekt gelesen haben, wenn Sie zu Joh. 19,14 schreiben „Der Rüsttag ist normalerweise der Tag vor dem Sabbat. (Freitag)“ In Joh. 19,14 steht jedoch „Es war aber Rüsttag des Passah“ und nicht der Rüsttag des Sabbats! Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Ebenso merken Sie gar nicht, dass Sie den Widerspruch gar nicht auflösen, sondern bestätigen. Nach Ihrem Kommentar erschien Jesus vor Pilatus am Freitag und starb demnach auch am Freitag als Passalamm. Dann behaupten Sie weiter, dass bereits am Donnerstag das Passalamm geschlachtet wurde, das Passalamm also am Donnerstag geschlachtet wurde.

Von: Rainer
◷ 22 März
(vor 1 Jahr)

Das lässt sich dadurch lösen, dass der erste Tag der ungesäuerten Brote schon am Vorabend beginnt.

Auch an dem Tag wird schon Lammfleisch gegessen. 

So kommt es, dass alle Evangelien dasselbe beschreiben:

Am Karfreitag war Passa. 

Von: Markus M.
◷ 22 März
(vor 1 Jahr)

Ich glaube du hast das Problem nicht wirklich verstanden.

Dass Johannes den anderen Evangelien widerspricht, zeigen ja die Grafiken.

Laut den Synoptiker war das Passa am Donnerstag, nicht am Freitag.

Von: Rainer
◷ 23 März
(vor 1 Jahr)

Vielleicht hast du es ja nicht verstanden? 

Dass, was bei den Synoptikern als Passamahl bezeichnet wird (also das Abendmahl), war offensichtlich der Seder. Und an dem Abend wurde auch Lammfleisch gegessen. Genau deshalb ist auch davin due Rede. 

Von: Markus M.
◷ 23 März
(vor 1 Jahr)

Wenn du mir vorwirfst, dass ich es nicht verstanden hätte, dann haben es scheinbar Gerhard Maier, Strack & Billerbeck u.a. Kommentatoren, die das Problem erkennen, auch nicht verstanden. Was ist wohl wahrscheinlicher, dass wir uns hier irren, oder du?

Zur Erklärung:
Bei den Synoptikern gab es am Abend bereits ein Lamm zum Essen. D.h. das Passalamm wurde bereits geschlachtet!
Bei Johannes hingegen ist es KEIN Passamahl, kein Seder-Abend und das Passalamm (Jesus) wird erst am nächsten Tag geschlachtet!

Von: Thomas B.
◷ 16 Februar
(vor 1 Jahr)

Grundsätzlich sind die Evangelien nicht zu vergleichen mit einem Polizeibericht. Es sind eher Zeugenaussagen die der ermittelnde Polizist zusammengestellt hat. Diese können auch von seinen Kollegen vorbereitet worden sein. Ergeben diese Aussagen einen roten Faden? Reichen diese aus für einen Anfangsverdacht?

Wenn Ja wird er eine Akte erstellen und diese an die Staatsanwaltschaft weitergeben. Darüber entscheidet dann der Richter, gegebenenfalls die Schöffen, je nach Rechtsform auch Geschworene.

Aber welchen Sinn ergeben vier einheitliche Evangelienberichte die deckungsgleich über einander legen? Also könnte man drei streichen und nur einen stehen lassen. Den längsten? Den ältesten?

So wäre dann ein einzelner Zeuge der Hauptbelastungszeuge. Würde man nicht kritisieren, dass es zu wenig Zeugen sind?

Ich rate auch davon ab das Wort Gottes zu vergleichen mit dem was die Stenotypisten während einer Gerichtsverhandlung zusammenschreiben. Es ist das Schöne an der Bibel, dass sie von Menschen verfasst ist, die vom heiligen Geist inspiriert sind. So entstehen viele individuelle Passagen, die sogar zum Schmunzeln einladen.

Zum Beispiel Richter 1:14.

Und es begab sich, als sie einzog, trieb sie ihn, von ihrem Vater ein Feld zu fordern. Und sie sprang vom Esel. Da sprach Kaleb zu ihr: Was willst du?

Würde man da sofort nachhaken: „sie sprang vom Esel.“ Wieso steht jetzt dieser Satz da? Welchen Aussagewert hat er. Wie kommt der Heilige Geist dazu so eine Nebensächlichkeit in ein Buch wie die Bibel einzufügen? Hätte sie nicht auch vom Esel aus sprechen können?

Gehen man mit dieser Art von Kritik auch an zeitgenössische Literatur? Schreiben man einem Autor vor, was er zu schreiben hat?

Unzählige Medien berichten über ein Ereigniss. Legt man diese Berichte übereinander, bleibt vielleicht hier und da ein Satz übrig, den kein anderer Journalist erwähnt hat. Kann man ihm glauben?

Diese Art von Gedanken ist dem Geist der heiligen Schrift fremd. Folgt man ihr aber erst einmal, so folgen natürlich nur noch verdächtige Stellen. Und was dann am Ende übrig bleibt ist ein Haufen belangloser Stellen aus dem Zusammenhang gerissen

Von: Markus M.
◷ 16 Februar
(vor 1 Jahr)

Ihr Kommentar erklärt aber nicht, warum Johannes ein anderes Datum verwendet. Er ändert es ja bewusst, damit Jesus das Passalamm wird.

Wenn ein Mord passiert und Zeugen aussagen und einer nennt ein völlig anderes Datum des Mordes, weil er damit irgendeine Intension hat, dann wird dieser Zeuge schnell unglaubwürdig, denn wer weiß, was er sich sonst noch alles ausgedacht hat.

Wie kommen Sie außerdem zu der Annahme, dass die Schreiber der Bibel (vor allem des NTs) vom heiligen Geist inspiriert waren?

Jede Religionsgemeinschaft behauptet doch das selbe, dass ihr heiliges Buch irgendwas besonderes ist und von Gott eingegeben wurde. Die Hindus behaupten die Rishi hätten eine Offenbarung gehabt und schrieben die Veden. Die Mormonen behaupten Joseph Smith habe die goldenen Platten vom Engel Moroni bekommen und die Muslime behaupten das Mohammed die Offenbarungen Gottes im Koran niederschrieb.

Welchen Beweis haben Sie also, dass gerade Ihre Aussage stimmt?

Würden Sie meinen Artikel https://bibellexikon.com/themen_kanon_septuaginta_inspiration.php lesen, würden Sie sehen, dass es keine Inspiration der Bibel gibt. Das ist lediglich eine unbegründete Behauptung.

Von: Thomas B
◷ 16 Februar
(vor 1 Jahr)

Wenn ich Ihre beiden Argumente bedenke, muss ich sagen: so ein richtiger Hammer ist nicht dabei. Also für Breaking News würde das nicht ausreichen. Da ich aber ihren Beitrag eingangs mit Interesse gelesen habe, und ihn auch für gut befunden habe, möchte ich darauf antworten.

Vorab: mir ist nicht klar geworden wo Johannes sich im Datum getäuscht haben könnte. Und auch jetzt sehe ich das nicht als ein Problem das erwähnenswert wäre.

Wir wissen dass es sich um den Zeitraum zwischen Donnerstag abend und dem Freitag handelt. Es geht jetzt allenfalls um die Stunde.

Was Widersprüche in der Bibel betrifft ist für mich das Standardwerk von Stefan Drueke und Arend Remmers: Widersprüche in der Bibel? (csv Verlag)

Ich habe das jetzt nach geschlagen, dort gibt es allerdings keinen Widerspruch zu erkennen an der Stelle Johannes 19,14.

Allerdings habe ich beim Blättern einen ähnlichen “Widerspruch” gesehen den ich hier kurz wiedergeben möchte. Es geht um die Zeitrechnung die verwendet wird.

Das Thema ist hier: wo war Jesus zur sechsten Stunde? Und bezieht sich auf Markus 15,25 und Johannes 19,14. Also unser Text. Nur ein anderer Zusammenhang.

Markus 15,25.33 hier kurz ausführlich: “es war aber die dritte Stunde, und sie kreuzigten ihn. Und als die sechste Stunde gekommen war, kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.”

Ich zitiere:

Matthäus, Markus und Lukas benutzen die gewöhnliche damalige jüdische Zeitrechnung, die den Tag von 24 Stunden in zwei Teile teilte: der Nacht von circa 18 bis 6:00 Uhr morgens (unterteilt in vier Nachtwachen zu je 3 Stunden) und den Tag von 6 bis 18:00 Uhr, unterteilt in 12 Stunden.

Danach wurde Jesus um 9:00 Uhr morgens (dritte Stunde Markus 15,25) gekreuzigt, um 12:00 Uhr (sechste Stunde Markus 15,33) begannen die 3 Stunden der Finsternis, in denen er von Gott verlassen wurde. Um 15:00 Uhr zur (neunten Stunde Markus 15,33.34) war das Werk der Erlösung vollbracht.

Daneben gab es jedoch die römische Zeitrechnung, die Johannes in dieser Begebenheit auch verwendet. Danach begann der Tag um Mitternacht und er wurde ähnlich unserer heutigen Rechnung in 2 × 12 Stunden eingeteilt. Die sechste Stunde des Morgens war also tatsächlich 6:00 Uhr.

Das passt sehr gut in den Zusammenhang denn die Verhandlungen fanden ja nachts statt, und Petrus hatte den Herrn vor Sonnenaufgang verleugnet.

Die sechste Stunde bei Johannes entspricht 6:00 Uhr und das dort beschriebene Ereignis am Richterstuhl des Pilatus fand 3 Stunden vor der Kreuzigung statt.

Zitat Ende.

Ich hoffe mit dieser Auskunft etwas Licht ins Dunkel gebracht zu haben. Es würde mich freuen.

Von: Markus M.
◷ 16 Februar
(vor 1 Jahr)

Welche beiden Argumente meinen Sie jetzt konkret? Ich habe ja nur Ihr Beispiel aufgegriffen und gezeigt, dass es hier keine Lösung anbietet.

Das Problem sind hier nicht die Stunden, sondern der Tag! Wurde Jesus am Passa gekreuzigt, wie es Johannes schreibt oder wurde er am Tag nach dem Passa gekreuzigt, wie es Markus schreibt.
Wenn das kein erwähnenswertes Problem ist, dann gibt es wohl nichts was Sie als Problem ansehen würden.
Und nur weil Drueke und Remmers in Ihren Buch das Problem nicht behandelt (weil sie den Widerspruch vermutlich nicht auflösen können), heißt das ja noch nicht, dass er deswegen nicht existiert.
Vielleich lesen Sie nochmals den letzten Absatz was Strack & Billerbeck dazu schreiben.

Warum beantworten Sie eigentlich meine Frage zur Inspiration nicht?

Von: Klaus Sydow
◷ 6 Februar
(vor 5 Monaten)

Im Jahr 30 n.Chr. ((33. Lebensjahr Jesu) gab es einen Feiersabbath und direkt anschließend den Wochensabbath! So wurde Jesus Christus an einem Donnerstag gekreuzigt und nach 3 Tagen und 3 Nächten (der jüdische Tag  beginnt mit unserem Vorabend) Stand er wieder auf! Die Frauen hatten abends am Samstag die Salben gekauft (nach 18 Uhr war der Sabbsth vorbei und die Geschäfte wieder auf) und kamen in aller Frühe am Sonntag zum inzwischen leeren Grab! Der Herr Jesus feierte übrigens nach galiäischem Brauch das Passah einen Tag früher als die Juden in Jerusalem. Ohne die jüdischen Gebräuche ist die Bibel nicht immer verständlich!

Von: Markus M.
◷ 7 Februar
(vor 4 Monaten)

Was ist Ihre Quelle für die Behauptung es habe einen Feiersabbath im Jahr 30 n.Chr. gegeben? Und wie kommen Sie darauf, dass Jesus gerade im Jahr 30 n.Chr. gestorben ist?

Das Passa wurde immer am 14. Nisan geschlachtet. Das war laut Torah so vorgeschrieben. Wie kommen Sie darauf, dass Jesus es einen Tag früher feierte? 

Von: John Galt
◷ 22 November
(vor 7 Monaten)

Hallo Thomas B.,

die Hypothese mit der jüdischen und römischen Zeitrechnung habe ich auch schon gehört, sie wurde bisher nicht wirklich bestätigt, soweit ich weiß - würde allerdings den Widerspruch um die Stunde der Kreuzigung, bzw. des Todes, natürlich auflösen. Was diese Hypothese allerdings nicht auflöst, ist die Tatsache, dass sich Johannes und die Synoptiker in der Tat widersprechen. Markus M. hat dazu eine mM nach sehr übersichtliche und aussagekräftige Grafik erstellt. 

Meiner Meinung ist gut erkennbar, wie die Geschichten in den Evangelien nachträglich noch an die Messias-Erwartungen im AT angepasst wurden. Es ist auch eine Tatsache, dass viele Briefe des Paulus älter sind als die Evangelien, ergo die Evangelien erst später aufgezeichnet wurde, zu einer Zeit, als sich das Christentum als Religion bereits zu entwickeln begann. Ein Beispiel: der jüdische Messias (Shiloh) sollte in Bethlehem zur Welt kommen. Historiker gehen davon aus, dass Jesus in Nazareth geboren wurde, als Beleg dafür gilt z.B. dass der historische Jesus ja schon immer Jeschua von Nazareth hieß und nicht Jeschua von Bethlehem. Außerbiblische Belege dafür, dass Jesus in Bethlehem geboren wäre, gibt es nicht. In Matthäus 2,23 steht außerdem: Er wird Nazarener genannt werden, es wird hierbei auf die Erfüllung einer Prophetie hingewiesen, die es im AT an keiner Stelle gibt. Vielleicht passt das nicht zum Thema, aber ich möchte aufzeigen, wie ungenau die Bibel entgegen der landläufigen Meinung der meisten (evangelikalen) Christen doch tatsächlich ist. 

Zu weiteren Widersprüchen siehe: Widersprüche im synoptischen Auferstehungsbericht Jesu