Die erfundene Flucht nach Ägypten (Matthäus 2,14)

Die Geburt Jesu wird in 2 Evangelien überliefert. Was dann aber nach der Geburt geschah, da widersprechen sich Matthäus und Lukas.

Die Geschichte beginnt bei Matthäus in Bethlehem und es scheint so als wäre das der Heimatort von Maria und Joseph. Hier wird Jesus auch nicht in einer Krippe im Stall geboren, sondern in einem normalen Haus (Mt. 2,11). Nachdem die Sterndeuter ihre Geschenke abgeliefert haben und wieder abgezogen sind, bekommt Josef im Traum den Auftrag Bethlehem zu verlassen und nach Ägypten zu ziehen (Mt. 2,13-15). Jesus verbringt seine Kindheit demnach in Ägypten, bis Herodes der Große gestorben war (4 v. Chr.). In Ägypten hat Josef wieder einen Traum und erhält den Auftrag zurück nach Israel zu ziehen.

Nun wird es spannend. Wenn Josef und Maria aus Nazareth (im Norden in Galiläa) stammten, so wie es das Lukasevangelium berichtet, wäre es doch naheliegend nach dem Aufenthalt in Ägypten auch wieder nach Nazareth zu ziehen. Jedoch liest man in Mt. 2,22 dass Joseph zurück nach Bethlehem reisen wollte, was ja auch klar ist, da Matthäus annimmt, dass das der Heimatort von Maria und Joseph ist. Erst als Joseph hörte, dass in Judäa (also im Süden, wo Bethlehem lag) Archelaus der Sohn von Herodes regierte, fürchtet er sich dorthin zu ziehen. Er erhält dann eine göttliche Weisung und zieht deswegen(!) nach Galiläa in eine Stadt namens Nazareth, wo Jesus dann aufwächst.

Wenn Joseph aber bereits ursprünglich aus Nazareth ist, wie Lukas es behauptet und nur kurz nach Bethlehem zog wegen dem Zensus, und er dort keine Verwandtschaft hatte, warum will er dann nach dem Aufenthalt in Ägypten wieder zurück nach Judäa (Bethlehem) ziehen? Das macht überhaupt keinen Sinn! Würde er von Ägypten in seine Heimat nach Nazareth ziehen wollen, dann bräuchte er sich ja gar nicht vor Archelaos fürchten, da der nicht über Galiläa herrschte.

Lukas hingegen berichtet außerdem, dass die Familie alljährlich nach Jerusalem zog, um dort das Passa zu feiern (Lk. 2,41), was ja auch vom Gesetz Moses her verpflichtend war. Wenn Josef Angst vor Archelaos hatte, warum zog er dann jährlich nach Jerusalem?

Schaut man sich nun den Bericht im Lukasevangelium an findet man folgende konträre Geschichte: Jesu Eltern stammen aus Nazareth und ziehen wegen einer Volkszählung nach Bethlehem, dort haben Sie keine Verwandten und niemanden, wo sie unterkommen können, deswegen wird Jesus in einem Stall in einer Krippe geboren (Lk. 2,7). 33 Tage später bringen die Eltern Jesus nach Jerusalem in den Tempel, um ihn darzustellen (vgl. Lk. 2,22 und 3. Mose 12,3-5). Nach der Darstellung ziehen sie zurück nach Nazareth in Galiläa (Lk. 2,39). 

Um es nochmals deutlich zu machen. Sie ziehen von Bethlehem nach Jerusalem und von dort nach Nazareth. Von einer Flucht nach Ägypten liest man hier nichts, noch schlimmer, im Bibeltext ist nicht mal Platz für eine etwaige Flucht. Wann sollte die denn nach dem Bericht im Lukasevangelium stattgefunden haben?

Interessant ist auch, dass Maria und Josef im Tempel zwei Tauben opfern. Laut 3. Mose 12,6-8 sollte normalerweise ein junges Lamm geopfert werden und nur, wenn die finanziellen Mittel dazu nicht ausreichen, darf man zwei Tauben opfern. Laut dem Bericht bei Lukas können sich die Eltern also ein Lamm nicht leisten. Dies widerspricht dem Bericht bei Matthäus, wonach ja die Weisen aus dem Morgenland ihre Schatzbehälter öffneten und der Familie Gold und andere wertvolle Sachen gaben. Die Behauptung, die Eltern wären arm, funktioniert darum nur im Lukasevangelium, denn dort liest man nichts von den Weisen und ihren Geschenken.

Es ist also offensichtlich, dass sich Matthäus und Lukas hier nicht ganz einig sind in ihrer Berichtserstattung.

Fraglich ist auch, warum Josef mit Maria überhaupt nach Bethlehem ziehen musste. Das Lukasevangelium behauptet wegen der Einschreibung (Zensus) zurzeit Qurinius. (Eine Statthalterschaft des Quirinius in Syrien ist erst ab 6 n. Chr. belegt. Herodes der Große starb aber bereits 4 v. Chr.! Dem biblischen Bericht nach müssten aber beide zur selben Zeit regiert haben.) Aber warum musste man dafür in die Geburtsstadt eines lange verstorbenen Vorfahren wandern? Was macht das für einen Sinn alle Einwohner Israels quer durchs Land zu schicken? Bei einem Zensus ist man interessiert zu erfahren, wie viele aktuelle Einwohner eine Stadt oder ein Land hat. Dabei ist es völlig irrelevant woher irgendwelche Vorfahren stammen. Man möchte die derzeit dort wohnenden Leute zählen. Und wenn Joseph aus Bethlehem stammte, warum nahm ihn dann niemand dort auf? Hatte er dort keine Verwandten mehr? Und warum musste die hochschwangere Maria mitziehen?

Die Frage stellt sich auch, warum Herodes alle Kinder in Bethlehem umbringen lassen sollte. Warum sollte er hunderte Kinder (er beauftrage alle männlichen Kinder unter 2 Jahren in Bethlehem und im umliegenden Gebiet zu ermorden) umbringen lassen und sich den Ärger der Bevölkerung zuziehen, wenn er ganz einfach einen einzelnen Königsanwärter jederzeit später beseitigen könnte? Und wer würde schon einen Haufen Kinder umbringen, nur weil ein paar Fremde, die aus dem Osten kamen, der Meinung sind, dass gerade der Messias geboren wurde?

Und letztlich ist noch interessant, was der Auslöser für den Kindermord ist. Der Auslöser des ganzen ist der Stern, dem die Weisen folgen, der sie nach Jerusalem statt nach Bethlehem führte! Man muss sich das mal vorstellen, ein von Gott gelenkter Stern, der sie ja dann schlussendlich direkt und präzise zum Haus führte, wo Jesus geboren wurde (Mt. 2,9), macht vorher einen Abstecher nach Jerusalem. Nur deswegen landen sie bei Herodes, der von der Geburt des vermeintlichen Königs Jesus überhaupt erst dadurch erfährt. Hätte der Stern die Weisen direkt vom Morgenland nach Bethlehem geführt, hätten die Kinder nicht sterben müssen. Der Tod der Kinder geht also ganz allein auf Gottes Konto, der ja offensichtlich den Stern gelenkt haben muss.


Matthäus 2,14
Er aber stand auf, nahm das Kindlein und seine Mutter des Nachts zu sich und zog hin nach Ägypten.
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Lukas 2,39
Und als sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie nach Galiläa zurück in ihre Stadt Nazareth.
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« Wer war Josephs Vater?Lebte Jairus Tochter noch, oder war sie bereits tot? »


Lösungsvorschläge

Von: Frithjof
◷ 8 September
(vor 5 Monaten)

In Johannes 7, 41-42 wird der Aussage, dass Jesus aus Galiläa kommt, nicht widersprochen. Im Markus- und Johannesevangelium wird der Geburtsort von Jesus nicht erwähnt. Damit Jesus von den Juden anerkannt wird, wurde seine Geburt nach Bethlehem verlegt. Das Matthäusevangelium enthält noch mehr erfundene Geschichten. Wahrscheinlich wurde Jesus in Nazaret geboren. Mir gefällt das Lukasevangelium trotzdem. Wir haben 3 gute Evangelien. Das Alte Testament muss man nicht lesen.

Von: Heiner
◷ 18 März
(vor 11 Monaten)

Hallo lieber Zweifler,

ich wundere mich ein wenig, dass Dir die "Widersprüche" nicht schon viel früher aufgefallen sind, wo Du doch eine theologische Ausbildung hast!  Aber nun zur Sache:

In Matthäus erscheinen die Weisen nicht am Tag der Geburt (der Geburtstag war vermutlich der Tag, an dem sie den Stern gesehen hatten), sondern erst Monate später. Herodes erkundigt sich nach dem ersten Erscheinen des Sterns und bringt (mit großzüger Zeitabschätzung nach oben) alle Kinder bis zu 2 Jahren um. Das erklärt sehr einfach, warum Josef und Maria inzwischen nicht mehr im Stall wohnten. Ebenso fand die Beschneidung und das Opfer in Jerusalem vor dem Besuch der Weisen in Bethlehem statt. Auch die Geldfrage wäre also geklärt.  

Für die Reise nach Aegypten findet sich in Lk 2,39 "Und als sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie nach Galiläa zurück in ihre Stadt Nazareth." durchaus implizit Raum, auch wenn Lukas sie nicht erwähnt. 

Wie lange die Zeit in Ägypten gedauert hat wissen wir nicht genau, weil der Geburtszeitpunkt Jesu unbekannt ist. Es mag eine Zahl von Monaten gewesen sein.

Rückkehr nach Nazareth oder Bethlehem: Es mag dafür sehr einfache und einleuchtende Antworten geben, warum Josef zuerst nach Bethlehem dachte zurückzukehren. Möglicherweise war das Gebot des Augustus noch nicht aufgehoben, vielleicht hatte sich Josef sich inzwischen ein Erbgrundstück in Bethlehem erworben,... Ich habe den Eindruck, dass es manchmal nur an Phantasie fehlt, wo Du Widersprüche siehst.

Gottes Wort ist zuverlässig! Jesus wird bald wiederkommen wie Er versprochen hat!  Was ist dann mit dir? Was wirst du machen, wenn plötzlich eine Reihe von Menschen hier spurlos verschwunden sind?

Von: Tony
◷ 3 Mai
(vor 9 Monaten)

Ich habe den Eindruck, dass es manchmal nur an Phantasie fehlt, wo Du Widersprüche siehst.

Genau das halte ich für ein Problem. Mit Phantasie kann man vieles Erklären. Ob das jedoch der Wahrheit entspricht ist ein anderes Thema. Jemand der die Geschichte und die Bibel ernst nimmt, wird nicht seiner Phantasie freien lauf lassen um irgendwelche Erklärungen zur produzieren. Wenn man den Text ernst nimmt, geht man nach den Fakten und dem was geschrieben steht.

Von: Markus M.
◷ 3 Mai
(vor 9 Monaten)

Hallo Heiner, 

laut Lukasevangelium waren Maria und Josef 33 Tage lang in Bethlehem. Ihre Idee, die Weisen erscheinen erst Monate später passt also nicht zum Bibeltext. Warum sollte sich die Familie dort auch länger aufhalten? Sie kannten dort ja niemanden.

Wenn Josef und Maria ursprünglich aus Nazareth waren, dann hatte Josef dort wohl auch seine Werkstätte und seine Kunden. Er würde also nicht länger in Bethlehem bleiben als notwendig. Wie das Tauben-Opfer zeigt, waren sie arm und jeder Aufenthalt außerhalb des eigenen Hauses kostet Geld. Es gibt also keinen Grund anzunehmen, dass sie länger als nötig in Bethlehem blieben.

Zu: „Möglicherweise war das Gebot des Augustus noch nicht aufgehoben“. Man wird doch sehr stark annehmen können, dass Josef die Einschreibung innerhalb der 33 Tage erledigt hat. Der wird ja nicht den ganzen Tag Däumchen gedreht haben und dann in Ägypten draufkommen, dass er den eigentlichen Grund vergessen hat, warum sie nach Bethlehem gezogen sind.

Warum sollte sich Josef ein Grundstück in Bethlehem kaufen, wenn er dort niemanden kennt? Und mit welchem Geld? Etwa mit dem Gold, dass die Weisen Jesus geopfert haben? Kein vernünftiger Mensch würde so handeln.

Zu „Gottes Wort ist zuverlässig! Jesus wird bald wiederkommen“. Dass Jesus gesagt hat, dass er bald(!) kommt, ist 2000 Jahre her. Nicht gerade der beste Beweis für seine Zuverlässigkeit. Das Gottes Wort nicht zuverlässig ist, zeigen meine Ausarbeitungen unter dem Menüpunkt „Themen“.

Von: Manuel
◷ 24 Mai
(vor 9 Monaten)

Ich lese nirgend etwas in der Bibel über die Menge des Goldes. Aber im Zusammenhang mit Weihrauch und Myrrhe, dazu der Text, dass die Weisen aus einer nicht jüdischen Kultur kamen, lässt doch eher darauf schliessen, dass es sich auch um Blattgold handeln konnte, welches man ja seit jeher in der Medizin verwendete.

Ausserdem heisst es ja in Math.2.11 dass Sie ihm die "Schätze opferten" demnach ist davon auszugehen, dass es verbrannt wurde und danach nichts mehr von Wert hatte.

Beste Grüsse

Von: Markus M.
◷ 24 Mai
(vor 9 Monaten)

Blattgold als Geschenk? Ernsthaft? Gibt’s irgendeinen Beleg für diese Annahme?

In Matthäus 2,11 steht nichts von „opfern“!
Wenn Sie sich schon auf Bibelstellen berufen, sollten Sie zumindest korrekt zitieren.

Außerdem hat die Diskussion ja nichts mehr mit dem Widerspruch an sich zu tun und die Geschichte hat Matthäus lediglich erfunden.

Von: John Galt
◷ 15 November
(vor 3 Monaten)

Hallo Heiner,

ich denke, dass du dir mit dem Satz über die "Phantasie" schon selber eine gute Antwort geliefert hast. "Gottes Wort" wäre nämlich ohne all die Exegeten, Kommentatoren, etc., die gefühlte 6 Bücher über 1 Bibelvers schreiben, gar nicht mehr so zuverlässig. Liest man die Bibel nämlich relativ objektiv (relativ, denn komplett objektiv kann man das als Mensch wohl nicht machen), dann kommt man rasch auf Widersprüche, die sich tatsächlich nur mit viel Phantasie, wilden Theorien (falls es sich dabei überhaupt um Theorien handelt, denn eine Theorie braucht meines Wissens ein paar Beweise und das meiste, wovon die Leute da schreiben - meistens sind es US-Amerikaner, habe ich festgetellt, und wenn man bedenkt, wie viel schon bei der Synchro amerikanischer Filme ins Deutsche 'verloren' geht oder umgedichtet wird dann kann ich mir auch vorstellen, dass die - Verzeihung - irrsten Hypothesen dieser Leute möglicherweise ebenfalls auf Übersetzungsfehlern beruhen...)

Natürlich stellt sich da einem die Frage: was ist dann überhaupt eine Tatsache? Nehmen wir die Welt nicht alle komplett subjektiv wahr, wie schon Schopenhauer behauptet hat? Sogar der verstorbene evangelikale Prediger Hans-Peter Royer hat gesagt, dass seiner Meinung nach die Bibel zwar objektiv, die Auslegung aber subjektiv sei. Ich persönlich habe schon alle Phasen durchlaufen, die ein Mensch, der zumindest christlich geprägt ist, durchlaufen kann: die komplette Ablehnung der Bibel, Evangelisation von Haus zu Haus und im Moment bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich denke, dass das Christentum, vor allem das sogenannte "bibeltreue Christentum" meinem Glauben eher schadet, als es ihm nützt. Das klingt paradoxerweise ebenfalls wie ein Widerspruch, ich möchte es dir aber gerne erklären. 

Vorher möchte ich aber noch ein paar Erkenntnisse schildern: es ist geschichtlich erwiesen, dass Europa, vA Nordeuropa, zwangschristianisiert wurde. Daher erlebe ich die christliche Strömung in unseren Ländern (Deutschland, Österreich, Schweiz, zT auch Italien, Skandinavien, etc.) als eine Religion - sehr wohl als Religion, auch wenn vA evangelikale Christen da erfahrungsgemäß anderer Ansicht sind - die vA von zwei Strömungen sehr stark geprägt wurden. Zum Einen ist da natürlich die römisch-katholische Kirche, zum anderen sind es die Evangelikalen aus den USA. Auch wenn sich diese beiden Institutionen gegenseitig oft sogar offen bekämpfen - natürlich "nur" verbal - so ist das Christentum, wie ich es vA in Österreich erlebe, mM nach sehr stark von diesen beiden Strömungen geprägt und die Lehren, die innerhalb der verschiedenen Gruppen, die sich dann aber wieder in verschiedene Grüppchen unterteilen, beruht meiner Ansicht nach zum Großteil auf verschiedenen Dogmatiken, die sich im Laufe der Zeit etabliert haben. Ich spreche da hauptsächlich von den Christen, die sich selbst als "bibeltreu" bezeichnen, ergo von den "Evangelikalen" und den Besuchern diverser Freikirchen, bzw. von gemäßigteren Strömungen innerhalb der katholischen Kirche. Es ist dadurch auch etwas entstanden, was ich persönlich gerne als "christliche Subkultur" bezeichne, denn - egal, wohin man kommt, man sieht meistens immer dieselben Gesichter. Obwohl sich all diese Gruppen aufgrund von Dingen regelmäßig in die Haare kriegen, die mir persönlich eher als Nichtigkeiten erscheinen, so haben sie aber alle einen kleinsten gemeinsamen Nenner und berufen sich zumindest, auch wie es HP Royer einmal gesagt hat (soweit ich mich erinnern kann) auf das Evangelium: auf den Glauben daran, dass Jesus Christus für unsere Sünden gestorben ist, dass er auferstanden ist und dass er auch heute lebt, bzw. auch das "Evangelium in der Nussschale" von Johannes 3,16. Geht es dann aber um Themen wie z.B. die Hölle (ein Thema, über das ich persönlich einfach nicht drüberkomme, egal wie oft und egal mit wem ich es durchdiskutiere, daher auch egal wie viele "Erklärungen" und "Auslegungen" ich erhalte - und daher auch ein Thema, bei dem ich hier nicht allzu sehr ins Detail gehen möchte), gehen die Meinungen wieder stark auseinander. Gibt es die Allversöhnung? Kommen diejenigen in den Himmel, die einmal dieses "Gedicht" aufgesagt haben, wie ich dieses "Übergabegebet" gerne bezeichne (von dem ich übrigens auch nie etwas in der Bibel gefunden habe) oder kommen wirklich nur die in den Himmel, die zumindest versuchen, die Gebote zu halten und ein Leben als Christ zu führen? Jesus sagt ja, er sei der einzige Weg zum Vater - aber wie sieht dieser Weg aus? Auch hier scheiden sich die Geister und auch hier haben sich in den diversen Gruppen mM nach verschiedene Dogmen etabliert - wie schon gesagt glauben einige daran, es würde ausreichen, Jesus das Leben in Form eines Gebets zu übergeben (was ich auch schon mehrmals gemacht habe und ich habe es auch jedes Mal so gemeint - aber die Zweifel daran, ob ich errettet bin oder nicht, sind bis zum heutigen Tage geblieben). Oder andere sagen, der Glaube sei ohne Werke tot - bis hin zur sogenannten "Werksgerechtigkeit", von der du bestimmt schon einmal etwas gehört hast. Aber es geht noch weiter:

Wenn jemand sagt, er oder sie ist Christ, kann das eigentlich eine ganze Menge heißen und möglicherweise kann man sogar sagen, dass die Bezeichnung "Christ" inzwischen ziemlich nichtssagend ist. Wenn jemand sagt, er ist Christ (ich spare mir jetzt das Gendern, denn das würde dann noch länger werden) kann diese Person meinen, sie würde sich zu irgendeiner christlichen Strömung bekennen. Wieviele Menschen, die sagen, sie wären Christen, bekennen sich tatsächlich zu "Jesus Christus" - auch öffentlich, ergo wenn sie nicht in ihrer "Christian Bubble" unterwegs sind? Da wird's dann schon eng in der Hölle und im Himmel wäre noch sehr, sehr viel Platz nach oben, wenn man allein durch den Glauben an Jesus Christus und das Bekenntnis zu diesem Glauben gerettet wird. Nach diesem Konzept gehen übrigens nachweislich gleich mal eine Milliarde Inder in die Hölle, die nachweislich an die Reinkarnation glauben. Was ist dann mit Buddhisten, Muslimen und den Christen, die sich nur auf dem Papier zum christlichen Glauben bekennen? Und was ist mit all den Menschen, die jemals gelebt haben? (Schätzungen sprechen da von 100 Milliarden) Der Gedanke, dass Gott jeder Person auf diesem Planeten hinterher geht mag zwar schön sein, für mich ist er aber sehr unrealistisch. Demnach würden also 99,99...% der Menschheit in die Hölle kommen - wäre es da nicht gleich besser, diese Menschen wären gar nicht geboren? Und würde ein allmächtiger und allwissender Gott dies nicht verhindern, wenn die Hölle scheinbar der schlimmste Ort ist, der so furchtbar ist, dass wir uns auf der Erde noch nicht einmal annähernd vorstellen können, was die Hölle ist? Ich weiß, ich wollte davon eigentlich nicht anfangen, aber wie schon gesagt, ich komme bei diesem Thema nicht wirklich auf einen grünen Zweig.

Um auf das Thema zurückzukommen, das du angeschnitten hast (wie zuverlässig die Bibel ist) - vielleicht sogar aus eben solchen Gründen haben Menschen damit gerechnet, dass Jesus Christus sogar zu ihren Lebzeiten wiederkehrt - denn es ist besser, nicht geboren zu sein als ewige Höllenqualen zu erleiden. In der Bibel, wenn man sie objektiv liest und wörtlich nimmt, wie es bibeltreue Christen ja scheinbar so gerne tun, stößt man auf Verse wie Matthäus 24,34 oder auch Paulus war wohl der Ansicht, Jesus würde schon bald wiederkommen (1. Thess. 4,15). Dieses "Bald" dauert jetzt ja schon (je nach Zeitrechnung) an die oder über 2.000 Jahre. Bedenkt man, dass die Erde lt. Kreationismus erst ca. 10.000 Jahre "alt" sein soll, erscheint es einem noch länger, dass Gott hier scheinbar so viel Zeit verstreichen lässt.

Auch wenn es so erscheinen mag: ich möchte hier auf keinen Fall gotteslästerlich erscheinen und ich denke, dass jeder Mensch, der seinen Glauben hat, diesem Glauben auch weiter anhängen soll - daher möchte ich persönlich keine Zweifel säen. Aber erfahrungsgemäß hinterfragen diejenigen, die einfach 'nur' glauben, ohnehin nicht allzu viel und sind mit den ganzen Dogmen ihrer jeweiligen (christlichen) Strömung einigermaßen zufrieden. Ich hatte nie Zweifel daran, ob es Gott wirklich gibt oder nicht und auch heute bin ich noch zu 200% davon überzeugt, dass Gott - in welcher Form auch immer - existiert. Was ich allerdings meistens in Frage gestellt habe, ist die Bibel - nur mit dem Unterschied, dass ich momentan eher auf der Suche nach etwas bin, das mir zeigt, dass die Bibel wahr ist, während ich früher eher nach Hinweisen für die Unwahrheit der Bibel gesucht habe. Der Grund dafür ist, dass ich mich selber in christlichen Glaubensgemeinschaften sehr wohl fühle - aber die absolute Wahrheit ist eben objektiv und wenn etwas so ist, wie es ist oder eben nicht so ist, wie es ist (Stichwort: Ayn Rands "Objektivismus", ergo A ist A), dann kann man die absolute, unumstößliche und universelle Wahrheit weder zurechtbiegen, zurechtlügen oder vielleicht sogar zurechtbeten. Leider habe ich aufgrund dieser sehr offensichtlichen Widersprüche - und auch Übersetzungsfehler - der Bibel, die man, wenn man logisch denkt, einfach nicht leugnen kann, habe ich ernsthafte Zweifel am Christentum - und nicht zuletzt wegen der blutigen Geschichte, auf die ich jetzt wirklich nicht näher eingehen möchte, weil ja allgemein bekannt. Es sind natürlich auch persönliche Verletzungen passiert, ich wurde auch schon als Satanist bezeichnet und vA evangelikale Christen scheinen den Teufel ja an jede Wand zu malen, die sie finden können. Das gibt zwar dem Teufel (an den ich persönlich einfach nicht glauben kann, zumindest nicht in einer solchen Form) viel zu viel Macht und lässt ihn mM nach sogar mächtiger als Gott erscheinen. Der Gott, an den ich glaube, begegnet mir in der Natur. Ich sehe mich selbst als Pantheisten, allerdings weniger in der Form, in der Richard Dawkins den Pantheismus sieht - ich glaube schon an Gott, als übernatürliches Wesen und ich denke, dass sich im Bezug darauf auch schon sehr viel wissenschaftlich belegen lässt (z.B. hat mir das Buch "Jesus Christus Quantenphysiker" von Dirk Schneider sehr gut gefallen). Sorry wegen der Länge, aber eine Kurzfassung gibt's leider nicht (oder das hier ist schon die Kurzfassung...)